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Einleitung

Full text: Geschichte der Dreifaltigkeits-Kirche zu Berlin / Lommatzsch, Siegfried (Public Domain)

Einleitung. 
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rium, als dem Vertreter des obersten Bischofs, gebühre es, so erklärte er, die Prediger 
sowohl zu prüfen und in ihren Pfarren zu bestätigen, als auch vorkommenden Falles aus 
dem Amte zu entlafssen“). Auf den Rat der beiden vornehmsten lutherischen Geistlichen 
Berlins, der Pröpste an der Nikolai- und Petri-Kirche Roloff und Reinbeck legte der— 
selbe das größte Gewicht. Er scheute sich auch nicht, den reformierten Pastoren die Tüch— 
tigkeit der lutherischen Prediger zum Muster vorzuhalten, und sorgte überhaupt für die 
homiletische Ausbildung der Kandidaten. Den lutherischen Theologen empfahl er zum Vor— 
bild die trefflichen Predigten Reinbecks, den reformierten die Predigten Jablonski's?). 
Wie eifrig er sich der Leitung der reformierten Kirche annahm, ist daraus ersichtlich, daß 
ohne besonderen Bericht an ihn auch nicht die kleinste reformierte Pfarrstelle besetzt werden 
durfte. Erst Friedrich d. Gr. gab die Besetzung dieser Stellen im allgemeinen an das 
Kirchen-Oirektorium ab und behielt sich nur das perfönliche Eingreifen in wichtigen Fällen 
vor. Friedrich Wilhelm ergriff nun auch die vom Pietismus gepflegte Idee, daß sich die 
Predigt vornehmlich an das neue Testament halten müsse, und hielt sie den Pastoren 
bor: in einer sehr eindringlichen Weise noch auf dem Krankenlager kurz vor seinem Tode 
dem nach Berlin berufenen Hofprediger Sack?). Besonders verlangte er aber von allen 
jeinen Geistlichen kategorisch die Beförderung praktisch christlicher Frömmigkeit. 
Damit gewann das evangelische Unions-Prinzip unter ihm eine neue positive Basis, 
so daß er die bestehende gesetzliche Einschränkung aller konfessionellen Streitigkeiten nicht nur 
aufrecht erhielt, sondern noch verschärfte. Er hat fast alle früheren Edikte dieser Art von 
neuem in Kraft gesetzt und genauste Befolgung derselben verlangt. Im Jahre 1719 forderte 
er von den Predigern aller Parteien, sie sollten ihre Gemeinden in der Furcht des Herrn von 
den zu ihrer Seligkeit nötigen und dienlichen Dingen und dem thätigen Christentum nach 
der deutlichen Vorschrift des Wortes Gottes unterweisen. Zugleich verbot er alles Predigen 
über die Gnadenwahl für und wider, auch alles Räsonnieren, Widerlegen gegenseitiger 
Meinungen und Disputieren über die streitigen Punkte auf den Kanzeln und in öffent— 
lichen Vorträgen?7). Er stellt es geradezu als eine Hauptaufgabe des geistlichen Amtes 
hin, den kirchlichen Frieden zu pflegen. Die Pfaffen, „die Uneinigkeit verursachen“, möchte 
er zum Teufel schicken, und solche, welche „Schulratzen aufwiegeln, das wahre Wort Gottes 
in Uneinigkeit zu bringen“, ruft er vor Gottes Richterstuhl. Aber er segnet auch die wahr— 
haft geistlichen Prediger, welche Nächstenliebe und Duldung predigen, um den Ruhm Christi 
zu vermehren, die da lehren „christlich zu leben und christlich zu wandeln und nur auf 
Christi Verdienst sich verlassen“. Daß er selbst in dieser praktisch-positiven Unionsgesinnung 
seine innere Befriedigung gefunden, geht noch aus einer merkwürdigen aus dem Jahre 1718 
stammenden persönlichen Konfession hervor, worin er sich weder zu Luther noch zu Calvin, 
obschon beide gesegnete Werkzeuge Gottes gewesen seien, sondern allein zu dem seligmachenden 
Namen Jesu Christi bekennen will?). 
Um so weniger lag für ihn ein Grund vor, sich der geschichtlichen Aufgabe der 
preußischen Krone, Hort des Protestantismus zu sein, zu entziehen. Wie er sich der böh—
	        
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