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Sechstes Kapitel. Tod Friedrich Wilhelms III. Die Geschichte der Dreifaltigkeits-Kirche unter der Regierung Friedrich Wilhelms IV. und Wilhelms I. Das Jahr 1848. Kober, Fr. Wilh. Krummacher, Pank. Entwicklung der Kirchen-Verfassung. Jüngste Vergangenheit. Schluß

Full text: Geschichte der Dreifaltigkeits-Kirche zu Berlin / Lommatzsch, Siegfried (Public Domain)

Umschwung in den kirchlichen Verhältnissen unter Kaiser und König Wilhelm 
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welche diese kirchliche Verbrüderungsfeier veranstalteten, bemerkte man die Namen eines 
Nitzsch, Arndt, Couard. Natürlich stand auch Krummacher aus Potsdam hier in vorderster 
Reihe. Die am meisten dogmatisch und vielleicht auch politisch interessierten Geistlichen 
auf der rechten und der linken Seite schlossen sich allerdings aus. Ihnen erschien das 
pietistische Element, dessen Bedeutung und Berechtigung ja allerdings durch das herrschende 
Luthertum so sehr verdunkelt worden war, dabei zu stark vertreten.“) 
Als der Prinz von Preußen, unser nachmaliger König und Kaiser Wilhelm, die Regent— 
schaft in Preußen für seinen schwer erkrankten Bruder im Jahre 1858 angetreten hatte, 
faßte er auch die kirchlichen Aufgaben ins Auge und nahm den notwendigen Weiterbau an 
der Verfassung der evangelischen Kirche in die Hand. Selbst der geringe Anfang der 
unter Friedrich Wilhelm IV. zur Einrichtung einer Gemeinde- oder Presbyterial-Verfassung 
gemacht worden, war durch die Abneigung der herrschenden kirchlichen Richtung gegen jede 
Mündigsprechung der Gemeinden vollständig ins Stocken geraten. Durch eine berühmt 
gewordene Ansprache, welche der Prinz am 8. November 1858 nach Uebernahme der Regent— 
schaft an das Staats-Ministerium hielt, bekundete derselbe, daß er gewillt sei, seinen Weg 
auch in kirchlichen Angelegenheiten selbständig zu gehen. So ließ er denn zunächst im Jahre 
1860 durch den Kultusminister von Bethmann-Hollweg die bereits früher in Angriff genom— 
mene Gemeinde-Verfassung in den östlichen Provinzen durchführen und fortbilden. Damit 
entstanden die auf Grund der sogenannten Vorschlags-Liste gewählten Presbyterien oder Ge— 
meinde-Kirchenräte: d. h. die Gemeinde-Wähler erhielten das Recht, aus einer ihnen von 
dem Gemeinde-Kirchenrat, bei der ersten Einrichtung unter Zuziehung der geistlichen Be— 
hörden, vorgeschlagenen Kandidatenliste, welche die doppelte Zahl der bestimmten Reprä— 
sentanten enthalten sollte, eine Auswahl zu treffen. Für die Dreifaltigkeits-Gemeinde be— 
deutete das im Grunde nur eine Erweiterung des Kirchen-Kollegiums, da dieses selbst nach 
einer Bestimmung des neuen Gesetzes nicht aufgelöst, sondern in diesen Gemeinde-Kirchenrat 
aufgenommen wurde. Immerhin wurde dadurch noch eine Zahl achtbarer Männer gewonnen, 
die sich der Sorge für das kirchliche Leben unterziehen konnten. Wir nennen unter ihnen den 
Stadtschulrat Fürbringer, der sich auch lebhaft für die evangelische Alliance interessierte. 
Daß man bei einem so geringen Anfange einer Repraͤsentativ-Verfassung nicht 
stehen bleiben konnte, war die allgemeine Ansicht aller Freunde derartiger Institutionen. 
Noch fehlte ja eine Synodal-Verfassung, die immer wieder versucht, indessen bisher noch 
nicht ins Leben getreten war. 
Auch dieses Werk wurde aber unter Kaiser Wilhelm, nachdem derselbe seine großen 
politischen Aufgaben in der Befestigung und Vergrößernng Preußens, in der Gründung des 
deutschen Reiches gelöst hatte, in Angriff genommen und zu einem glücklichen Ziele geführt. 
Nach Anhörung von außerordentlichen Provinzial-Synoden erließ der König am 16. Sep— 
tember 1873 eine neue Gemeinde- und Synodal-Ordnung für die älteren Provinzen, der noch 
Ausführungs-Bestimmungen folgten, um dann mit dem Rat der ersten ordentlichen Provinzial— 
Synoden und im Einvernehmen mit der außerordentlichen Generalsynode, welche vom 25. No—
	        
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