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VI. Neue Anfänge (Schliepstein, Ziehe)

Full text: Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche / Goens, Georg (Public Domain)

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behaltung seines Kirchenamtes als „Cantor“ mit einer Pension von 
24 Thalern monatlich. 
Aehnlich wurden der Collaborator, der Schreiblehrer, der Küster und 
die Lehrerin abgefunden. 
Aber wenn die Kirche hoffte, nun wenigstens von der Last der 
800 Thaler befreit zu werden, so hatte sie sich abermals geirrt. Unter 
dem 9. Mai besagt eine kriegsministerielle Verfügung: „Wir finden daher 
um so weniger Veranlassung, eine anderweite Allerhöchste Bestimmung zu 
extrahiren, als die Garnisonschule lediglich allein aus den Mitteln der 
Kirchenkasse gestiftet ist und aus Staatsfonds nur insoweit zur Unter— 
haltung der Schule beigetragen wurde, als jene Mittel nicht völlig aus— 
reichten, überdies aber auch der Kirchenkasse durch Auflösung 
der Schule dadurch ein nicht unwesentlicher Gewinn erwächst, 
daß im Interesse derselben nunmehr über das Schullokal und 
die Lehrerwohnungen (die gegenwärtige Bel-Etage) frei dis— 
ponirt werden kann.“ 
Es wurde also der Kirche ihre eigene Etage, die sie mit ihrem 
eigenen Gelde ohne einen Pfennig Staatszuschuß sich erbaut hatte — zur 
freien Disposition überlassen, und damit — bis zum heutigen Tage das 
Recht einer Auflage von 800 Thalern*) begründet. Das gab der Auf— 
lösung der Garnisonschule einen bitteren Beigeschmack, obwohl die Auf— 
lösung an sich bereits schmerzlich genug war und ein Stück preußischer 
Soldatengeschichte zu Grabe brachte. Fast 200 Jahre ist die Anstalt mit 
vieler Liebe und Treue, mit Sorgen und Beten aufrecht erhalten, und 
zeitweise galt sie als die erste und begehrteste Mittelschule in Berlin und 
hat dem preußischen Heere Hunderte treuer und tüchtiger Unteroffiziere 
und dem Handwerk intelligente Meister gegeben, die alle über die Schul— 
zeit hinaus unter sich eine Freundschafts- und Geistesgemeinschaft erhielten. 
Das Ende ist eine Aufforderung der „Intendantur des Gardekorps“, 
die Inventarstücke — die paar Habseligkeiten, zum Zwecke der Ueber— 
führung nach Frankfurt a. O. und nach Potsdam abzuliefern. Nur eine 
* Die Summe wird an eine auch jetzt noch fungirende „Garnisonschulkommission“, 
bestehend aus dem evangelischen und katholischen Garnisonpfarrer und einen Stabsoffizier 
als Vorsitzenden abgeführt. Dieselbe vertheilt die Gelder als Beihülfe zum Schulgelde an 
Unteroffizierkinder aller Konfessionen.
	        
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