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IV. Rückgang des Garnisonkirchenwesens

Full text: Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche / Goens, Georg (Public Domain)

dann aber hatte er von vornherein eine andere Stellung zum Garnison— 
pfarramt: Gedicke war Garnisonpfarrer von Berlin gewesen und blieb 
auch als Feldpropst Inhaber seiner alten, ihm lieb gewordenen Stelle, 
die ihm eine Fülle von segensreicher und dankbarer Arbeit bot; Carstedt, 
der frühere Garnisonprediger von Potsdam, wurde als Feldpropst nach 
Berlin berufen und nahm das Garnisonpfarramt daselbst mit in den 
Kauf — weils einmal nicht anders ging — und fand zudem „das Haus“ 
so wohl eingerichtet, daß für die „Hausfrau“ eigentlich nichts weiter 
zu thun übrigblieb, als Staub zu wischen. Dazu kam, daß 1740 nach 
dem Tode Kaiser Karls VI. die Kriegsläufte begannen. 
Im Dezember erfolgte der Ausmarsch der Truppen nach Schlesien, 
und im Februar 1741 war die Hauptstadt ihrer ganzen Garnison beraubt. 
Auch Carstedt verließ Berlin mit seinem Glasenappschen Infanterie-Re— 
giment, und der Kadettenpfarrer besorgte die Geschäfte, soviel oder so 
wenig ihrer bei dem einzigen zurückbleibenden „Garnisonregimente“ zu 
besorgen waren. 
Nach dem Siege von Mollwitz (10. April 1741), der auch in der 
Garnisonkirche gefeiert warde, kehrte Carstedt, der während der Campagne 
bier Feldprediger an Ort und Stelle ordinirt hatte, nach Berlin zurück 
und konnte im Mai 1742 die Siegespredigt für Czaslau und nach dem 
Frieden von Breslau auch den Dankgottesdienst selbst abhalten. Auch 
im weiteren Verlaufe ist die Kunde von Sieg und Frieden in jener 
großen Zeit hell hinein geklungen in die Halle des Gotteshauses; am 
11. November 1745 brachte die Garde du Corps 79 Fahnen und 8 Stan— 
darten, welche dem Feinde bei Hohenfriedeberg und Sorr genommen, und 
am 6. Januar des folgenden Jahres hing die Garde 13 Fahnen und 
1Standarten, die Beute von Kesselsdorf, mit entsprechender Feierlichkeit 
in der Kirche auf. 
So glänzend aber auch äußerlich diese Erfolge sein mochten, so ist es 
doch interessant zu beobachten, wie durch die schrittweis wachsende, finanzielle 
Kalamität des preußischen Staates auch ein so bescheidener Wurzeltrieb 
wie das Berliner Garnisonkirchenwesen zu leiden hatte. Es war eine 
üble Vorbedeutung, daß schon Friedrich Wilhelm J. in seinem letzten 
Lebensjahre, nachdem der beste Anwalt der Kirche, Graf Wartensleben, 
1734 gestorben war, ihr kurzer Hand den Thorzoll am Spandauer Thore
	        
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