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III. Die jetzige Garnisonkirche

Full text: Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche / Goens, Georg (Public Domain)

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im Jahre 1717 zum Reformationsjubiläum eine „kurz gefaßte Refor— 
mationshistorie“ und 1731 verschiedene Predigtsammlungen und Einzel— 
predigten. Im Ganzen erschienen von ihm 28 Schriften, deren Bezeichnung 
im Einzelnen uns aber hier zu weit führen würde. Im Allgemeinen 
war er, der pietistischen Richtung seiner Theologie entsprechend, milde 
gegen Andersgläubige, aber das hinderte ihn nicht, den lutherischen Stand— 
punkt seines Herzens tapfer zu vertheidigen (vergl. seinen Streit mit dem 
reformirten anhaltischen Prediger D. Bashuysen über das heilige Abend— 
mahl, den er auf Befehl seines reformirten Königs zu Ende führte). 
Die evangelische Kirche aber bewahrt sein Gedächtniß in den schönen 
Liedern: „Wie Gott mich führt, so will ich gehen“ und „Wohl dem, der 
sich auf seinen Gott recht kindlich kann verlassen“.) Das Erste, das 
er gerade gedichtet hatte, als v. Löben ihn berief, findet sich in den 
meisten deutschen Gesangbüchern, nur — schier unglaublich — nicht im 
Militärgesangbuche! Gegen Ende seines Lebens wurde Gedicke lungen— 
leidend, bekam Bluthusten und wurde dadurch in seiner Kraft gelähmt, 
his dahin aber war er unermüdlich thätig. Sehr ernst war er, wenn 
es sein mußte: „Es betrübte ihn herzlich, daß unter der Militz, sowohl 
hohen wie Niederen viele Stkrupel gegen die ersten Wahrheiten der 
christl. Religion vermerken mußte“ und dagegen kämpfte er. Besonders 
aber ließ er in seiner Gemeinde keine Sünde ungestraft passiren. 
„Manche“ — heißt es in der Leichenrede, die sein früherer Amtsbruder 
Michael Roloff ihm hielt — „sind dadurch kräftig gerührt und auf den 
Weg rechtschaffener Buße gebracht worden. Hingegen Andere habens 
übel empfunden und wol gar gemeinet, man greife sie zu hoch an, man 
mahle ihren natürlichen Zustand gar zu abscheulich ab.“ Selbst vor 
seinem Könige sagte er freimüthig die Wahrheit. Als er einmal in seiner 
Gegenwart über den Jähzorn predigte, empfing ihn die Gattin zitternd 
zu Hause und meinte, es würde das ein schlechtes Ende nehmen. Bald 
zuch, nach Schluß des Gottesdienstes, erschien vom Schlosse ein 
*) Wie ich nachträglich erfahre, enthült das Porstsche Gesangbuch noch das Lied: „Ent— 
»inde mich mein Gott von allen meinen Banden“, mit den äußerst bezeichnenden Versen: 
„Mach des Philisters Strick und Tücke ganz zu Schanden, j weil Du mein Joëel nur und 
nur mein Simson bist. s Zerbrich, zerschlag, zerreiß und mach mich durch den Sohn Zum 
recht — Gefreieten vor Deinem Gnadenthron.“
	        
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