Path:
II. Die erste Garnisonkirche

Full text: Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche / Goens, Georg (Public Domain)

Der beste Schmuck aber des Gotteshauses war und blieb die gläubige 
Gemeinde. Nach den Kollekten zu rechnen, war der Besuch des Gottes— 
dienstes ein recht bedeutender, und ebenso bezeugen die noch erhaltenen 
Listen, daß auch der Abendmahlsbesuch ein außerordentlich hoher war; 
zu Hunderten drängten fich an jedem Sonntage die Soldaten mit ihren 
Führern um den Altar, sich eins wissend untereinander im väterlichen 
Glauben. An diese Gemeinschaft des Geistes erinnert eine Stiftung des 
Generalmajors und Kommandeurs der Grenadier-Garde Daniel von 
Tettau vom Jahre 1706, bestehend in einer schönen silbernen und zierlich 
„verguldeten Kommunionkanne“, die er „ohne Ncatittemg seiner Person 
und Namens auf den Altar setzen ließ“'. In da« Gefäß waren die 
Worte gestochen: 
„Mein Gott ich bitt durch Christi Blut 
Machs nur mit meinem Ende gut.“ 
„In Anno 1708 folgten von eben diesem Herrn zwei grosse, besonders 
zierlich verfertigte, silberne Altarleuchter“. — Gott hat das Gebet des 
frommen Generals erhört und ihn in der Schlacht bei Malplaquet 
11. September 1709) den Heldentod sterben lassen; seine Leiche wurde 
am 17. Oktober in einer verschlossenen Gruft der Garnisonkirche mit 
hohen Ehren und unter dem Läuten der Glocken und dem Donner der 
Kanonen beigesetzt. — Das Alles ist vorübergegangen, und von den 
sterblichen Ueberresten des Helden von Malplaquet ist nichts mehr vor— 
handen als ein paar morsche Brettlein mit einigen Messingbuchstaben, 
— sein Weihgeschenk aber an die Kirche besteht bis auf den heutigen 
Tag und hat (wenn auch 1722 umgegossen*) Hunderttausenden preußi— 
scher Soldaten zum Gebrauche beim heiligen Sakramente gedient — auch 
denen, die in den Tod gingen. (Siehe Abbildung der Altargeräthe sub 1.) 
) Friedrich Wilhelm J, obwohl er der lutherischen Garnisonkirche trotz ihres von dem 
einigen abweichenden Bekenntnisses sehr wohl gesinnt war, verleugnete doch nicht seine 
reformirte Erziehung. Im Januar 1722 resolvirte er: „Wenn Abendmahl gehalten wird, 
sollen niemahlen Leuchter auf den Altar stehen — sondern soll so gehalten werden wie zu 
l'otsdam, da sie so gut Lutherisch als zu Berlin sein. Keine Kaseln und Keine Papistische 
Reliquie, — die silberne Leuchter, die vor dem Altar gestanden, die schenke dem Herrn 
ediecken.“ Diesem Befehl fielen die Leuchter zum Opfer. Aber Gedicke hat sie nicht 
genommen, sondern sie mit der alten Altarkanne zusammenschmelzen und daraus die gegen— 
wärtig noch vorhandene Kanne, zwei Kelche und eine Oblatenschachtel verfertigen lassen
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.