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II. Die erste Garnisonkirche

Full text: Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche / Goens, Georg (Public Domain)

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Zusammenbruch. — Daß Naumann, der 13 Jahre sein Herzblut an die 
Sache gesetzt hatte, den Ruin eines großen Theiles seiner Arbeit nicht 
mit ansehen konnte, ist nicht zu verwundern; er erbat seinen Abschied und 
wurde bereits zum 1. Mai desselben Jahres zum Superintendenten zu 
Strasburg in der Uckermark ernannt.*) Auch seinem getreuen Mitarbeiter, 
dem Kommandanten Ernst Ludwig v. Hacke, der ihm so manches Mal 
die Rechnung nachgerechnet und mit ihm Raths gepflogen, wie das Defizit 
zu decken, — der aber auch mit ihm wird gebetet und gedankt haben — 
auch dem ist es erspart geblieben, das zu zerbrechen, was er gebaut 
hatte: Gott selber hat ihm die Augen zugedrückt, er leistete mit Nau— 
mann zusammen die letzte Unterschrift und ist bald darauf gestorben. 
Zum Nachfolger Naumanns wurde alsbald Herr Jakob Baumgarten 
aus Wolmirstädt berufen, von dem die alte Chronik nichts Anderes zu 
sagen weiß, als daß er bei seiner Einführung sich nicht mehr des weißen 
llebergewandes habe bedienen wollen, welches die Garnisonprediger — 
wie heute noch die Kollegen an der nachbarlichen Marientirche — bis 
dahin getragen hatten. 
In der Verwaltung tritt er sehr zurück und scheint sich in seiner 
neuen Stellung so wenig wohl zu fühlen, daß er im Unterschiede von 
seinem Vorgänger und allen seinen Nachfolgern bereits nach 4 Jahren 
sein Amt mit einer hiesigen Civilpfarrstelle (an Friedrichswerder und 
Dorotheenstadt) vertauschte. An seine Stelle tritt Lampertus Gedicke, 
ein tüchtiger, auch wissenschaftlich bedeutender, regsamer Mann, von dem 
weiter unten noch zu reden sein wird. Er war zunächst der Nachfolger 
des Feldpredigers Krüger und war als solcher dem jungen Könige, 
den auch Wartensleben begleitet hatte, 1715 nach Pommern, Stral— 
sund und Stettin gefolgt. Hier während der Belagerung hatte der junge 
Prediger reichlich Gelegenheit von seinem Können Zeugniß abzulegen 
und auch den besonderen Beruf erhalten, Wartensleben zu trösten, der 
hbei dem Sturme auf ein Vorwerk seinen ältesten Sohn zweiter Ehe vor— 
Gedruckt sind von Naumann vier Reden (auch die bei der Beerdigung des Herrn 
o. Tettau gehaltene ss. S. 26). Außerdem eine „Anweifung der Krieasleute, so da wollen 
gottesfürchtig sein.“ 
Dieser Traktat wurde dem von ihm zusammengestellten ersten Militärgesangbuch bei— 
refügt.
	        
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