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II. Die erste Garnisonkirche

Full text: Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche / Goens, Georg (Public Domain)

Kirche auf sich selbst gestellt mit dem eisernen Gebot „hilf dir selbst so 
wird Gott dir helfen“. 
Der Organist und spätere Berliner Rathmann Johann Friedrich 
Walther, der einst Schüler der Garnisonschule gewesen, bevor er an der— 
selben von 1716 bis 1747 Informator war, hat einen Band sehr gewissen— 
haft gesammelter „Historischer Nachrichten“ über die erste Entwickelung 
der jungen Kirche nebst ihrer Schule geschrieben. 
Es lassen diese dankenswerthen und immer aufs Neue wieder ab— 
geschriebenen Nachrichten einen Blick thun in das besorgte Herz der 
damaligen Beamten der Kirche. Wie weiß er so beweglich zu bitten „für 
seine arme Kirche und Schule“ und wie überschwenglich zu danken für 
jede Wohlthat und Stiftung in klingender Münze oder sonstigen Gaben. 
Aber der christliche Glaube ist ein guter Rechenmeister und, wo er sich mit 
preußischer Sparsamkeit und Einfachheit paart, da erst recht. Es ist be— 
zeichnend genug, daß in jener Zeit geringen historischen Sinnes die akten— 
mäßige Darstellung der Anfänge unserer Kirche auf wenige, zufällig hin— 
geworfene Notizen beschränkt ist, aber — von den Kirchenrechnungen 
fehlt keine einzige. Da stehen sie in der Registratur des heutigen Pfarr— 
hauses nebeneinander, sauber in Leder gebunden, von gleicher Größe, ja, 
wie eine Kompagnie gleich uniformirter Soldaten, sogar mit gleich— 
farbigem Buntpapier beklebt, als ein ehrwürdiges Zeugniß der Gewissen— 
haftigkeit unserer Vöter. Und darin zwischen den mit Bleifeder gezogenen 
Linien in schönen, klaren Schriftzügen eine Rechenschaft über Groschen und 
Pfennige, so genau, als habe man sich über Tod und Leben zu ver— 
antworten; und Grafen und General-Feldmarschälle halten sich nicht für 
zu gut, diese Hunderte von kleinen Posten nachzurechnen und hier und 
dort eigenhündig dem Pfarrer, als Rendanten, kleine Rechenfehler zu 
verbessern. Gewiß nur Kleinigkeiten, und doch sind es die zarten, schein— 
bar entlegenen Fasern und Wurzeln, aus dem die vreußische Staatskraft 
erwachsen ist. 
Die erste Jahreseinnahme durch die Kollekte am Sonntage betrug 
299 Thaler, und was sollte alles dafür geleistet werden? Die Hälfte der 
Suunne verschlang vorweg die Bauschuld, und von dem Uebrigen sollte 
für zwei ganze Thaler ein zinnernes Taufbecken gekauft und ferner in 
Ermangelung einer Orgel ein kleines Positiv gemiethet werden, das der
	        
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