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VII. Blüthezeit der Garnisonkirche unter Strauß und Frommel

Full text: Geschichte der Königlichen Berlinischen Garnisonkirche / Goens, Georg (Public Domain)

bringen: die Kirche, die doch im Vergleich zu ihren Schwestern ringsum 
recht altfränkisch und vernachlässigt aussah, dem Geschmacke und den 
Bedürfnissen der Neuzeit anzubequemen. 
Am 2. Pfingstfeiertage predigte Strauß zum letzten Male, um dann 
mit seiner Gemeinde in die Klosterkirche überzusiedeln und in die alte, 
treue, mütterliche Heilige Geist-Kapelle, die stets der großen Tochter ihr 
zegenüber unter die Arme griff, wenn es irgendwo bei ihr haperte. Die 
Divisionsgemeinden gingen zu Gaste bei St. Elisabeth. 
Dann begann die Arbeit. Die Fenster mit ihren kleinen, durch 
Holzsprossen zusammengefügten Scheiben wurden herausgenommen und 
durch Chamottepfeiler mit Bleiverglasung ersetzt. Das Innere der Kirche 
wurde durch und durch ausgemalt und mit Sprüchen aus der Heiligen 
Schrift, „die auf die eigenthümliche Bedeutung der Kirche als Gotteshaus 
preußischer Krieger hindeuten“, geschmückt. Die Bänke, die zum großen 
Theil noch gar nicht gestrichen waren (), erhielten eine dunkle Farbe, 
behielten aber leider ihre steilen Lehnen mit überstehender Kappe, durch 
die sich ein wackerer Tischlermeister aus der Zeit der Befreiungskriege, 
dielleicht auf ein Jahrhundert, an der Gemeinde versündigt hat. Die 
Orgel, die man durch Vorbauten verdeckt hatte, wurde in ihrer alten 
Schönheit wieder freigelegt, die Kanzel dem Marmoraltare ähnlich bemalt, 
die Offizierloge vergrößert und der ganzen Kirche eine große Luftheizungs— 
und Gasbeleuchtungsanlage gegeben (fünf Kronleuchter). Bei dieser Gelegen— 
heit wurden auch die durch die Schuhnägel der Soldaten stark abgenutzten 
Rothsteinfliesen mit einer Asphaltschicht überzogen, die Außenwände mit 
einem Abputz sowie mit einer stärkeren architektonischen Gliederung ver— 
sehen und endlich auf dem vorderen Giebel ein drittes Kreuz angebracht. 
Zu der projektirten Ausschmückung dieses Giebels mit einer biblischen 
Gruppe, aus Sandstein gemeißelt, reichten die Mittel leider nicht mehr hin. 
Anfang November konnten die Baumeister, die Geheimen Ober— 
bauräthe Fleischinger und Stüler, ihre Arbeit als vollendet übergeben, 
und am 283. Sonntag nach Trinitatis, am 8. November, wurde die 
Kirche, die in ihrer Erscheinung eine ganz neue geworden war, in Gegen— 
wart des Königs, der Prinzen des Königlichen Hauses, der Generalität 
und einer großen Gemeinde wieder eröffnet. Der Feldpropst der Armee, 
Oberkonsistorialrath Thielen, allzeit ein warmherziger Freund und Förderer
	        
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