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St. Lukas. Geschenke zur Erbauung anderer Kirchen und an christliche Vereine

Full text: Geschichte der Gründung und der ersten fünfzig Jahre der St. Matthäus-Kirche zu Berlin (Public Domain)

die schon vor Jahren angebotene Unterstützung in anderer Form ge— 
währen zu können. Er faßte demnach den Beschluß, aus der St. 
Matthäus-Kirchenkasse mit landesherrlicher Genehmigung der Zwölf— 
Apostel-Gemeinde zum Bau eines größeren, würdigeren Gotteshauses 
einen Zuschuß von 106,000 Mark zu gewähren. 
Letztere waren ursprünglich als Darlehen hergegeben, deren 
Rückzahlung aber nur für den Fall vorbehalten, daß der von der 
Apostel-Gemeinde mit der Stadt Berlin wegen deren Baupflicht ge— 
führte Prozeß gewonnen werden sollte. Der Anspruch an die Stadt 
Berlin gründete sich darauf, daß nach Märkischem Provinzial-Recht 
in den Städten die kirchlichen Baukosten nicht von der Kirchen-Ge— 
meinde, sondern aus der Kämmerei-Kasse getragen werden müßten. 
Da dieser Prozeß verloren wurde,*) so gestaltete sich das Darlehen zu 
einem vorbehaltlosen Geschenk. Dasselbe entsprach dem Betrage, 
welcher neben dem Patronats-Beitrag von der Kämmerei-Kasse oder 
bei deren Nichtverpflichtung von der Kirchen-Gemeinde aufzubringen 
gewesen wäre. Bei der Grundsteinlegung richtete Seine Majestät der 
Kaiser an den D. Büchsel die Frage, wie es zugehe, daß Matthäus 
so viel Geld habe, und nach der Antwort: „Majestät, wir haben nicht 
allein einen König auf Erden, der sehr gnädig ist, sondern auch einen 
allmächtigen König, der zur Rechten seines Vaters im Himmel sitzt, die 
Herzen der Menschen regiert und Gebete erhört“, bemerkte der Kaiser 
scherzend: „Sie könnten wohl der Finanz-Minister des Königs im 
Himmel werden“. 
Die nahen Beziehungen von St. Matthäus, St. Lucas und 
Zwölf-Apostel haben es mit sich gebracht, daß sich längere Zeit hin⸗ 
durch die Geistlichen der drei Parochien alle vierzehn Tage ver— 
sammelten, um sich über pfarramtliche Thätigkeit zu besprechen und 
untereinander in pastoraler Gemeinschaft zu unterstützen. 
Nachdem die Seelenzahl der Zwölf-Apostel-Gemeinde noch weiteren 
enormen Zuwachs erfahren hatte (S. 205), auch der Nothbehelf der Ein⸗ 
richtung nebenlaufender Gottesdienste in dem Saale der Hochschule für 
Musik nicht ausreichte, wurde im Jahre 1889 die Errichtung einer zweiten 
Kirche auf dem Dennewitzplatz, der jetzigen Luther-Kirche, beschlossen, 
wobei die spätere Bildung einer besonderen Parochie in Aussicht ge— 
x) Die oben erwähnte Rechtsfrage ist bekanntlich später in einem anderen 
Prozesse zu Ungunsten der Stadt entschieden. Hierauf näher einzugehen, gehört 
nicht zu den Aufgaben dieses Berichts. In dem Prozeß der Zwölf-Apostelkirche 
ist als entscheidend erachtet, daß es sich nicht um ursprünglich Berliner Terrain 
handelte.
	        
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