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Band III. Verzeichnis der Teilnehmer: Berlin

fullscreen: Amtliches Fernsprechbuch für den Bezirk der Reichspostdirektion Berlin (Public Domain) Ausgabe 1941 (Public Domain)

Ei wat habe ick von de versprochene Zei 
len, ick habe noch nischt davon zu sehen ge 
kriegt, die sind übrig; ick habe mir heit schau- 
derlich gebost. 
Wo so des? 
Ick komme so ebenst von meen Patrimo- 
neval-Jerichte, da is anjetzo Allens andersch, 
unn ick habe zum ersten Male eene Klage 
verloren 
Wat Du nich sagen dhust! 
Ach det is schaudererregend, obschonft sehr 
censach. Meene beeden Zeigen, die sonst im 
mer vor mich schwören dhaten, wat ick will, 
haben heit gegen mir geschworen. Aber daran 
is keener weiter schuldig, als der neie Affen- 
darius. Ick werde et ihm abcrst schon ge 
denken. 
Ihr habt eenen neien gekriegt? Wie is 
denn det zugegangen, der vorher gefiel Dich 
ja so propper? 
Ach Du lieber 2ott, wenn et nach mich 
gegangen wäre, dann hätten wir ihn och noch. 
Aber et is Allens andersch geworden, wie ick 
Dich sage. Och unser Justizrath unn sogar 
mein guter Aktenrarius is fleite geworden. 
Des is die aschgraue Möglichkeit! 
Ja, et is zum krepiren. Die vorichten, 
des waren mich noch prächtige Leite, düchtigc 
Kerls. Det war Dich immer een Jubel, wenn 
Jerichtsdag war. Et sah Dich in unsere Je 
richtsstube noch doller aus, als bei den seligen 
Louis Drucker, unn denke Dich die drei Leite 
drankcn Dich jedesmal wenigstens 16 Flaschen 
Rothspan aus, unn des oft gar keenen schlech 
ten. De olle Akten schwammen oft uf den 
Tisch rummer, doch det war se recht gut, se 
waren oft öcklig dreckig unn stobig, da se so 
oft verschmissen wurden. Et war «berscht och 
gar zu schene, det ging immer so lustig zu, 
als wenn dritter Pfingstfeieidag wäre. Dat 
alle drei mitunter etwas wackeln dhaten, det 
kannst Du schonst denken, de beeden Ollen, 
so wie der Jungschc Besondcrsch der Jung- 
sche war Dich 'ir höllischer Kerl, der hatte 'n 
Geselle, wie ich noch nie nich« gesehen habe, 
selbst in meenen Victuvalien-Keller nich, unn 
des will ville sagen. Unn de Mächens, dhat 
er pussiren, des war ja nich ohne, keene ließ 
er nich in Ruhe, unn uf een Achtjroschenstück 
kam es ihn och nich an, wenn er gerade eens 
hatte. Jefällig war er och gern, wenn een 
Machen eene Jngabe zu machen hatte, er be 
sorgte sie ihr immer sehr gerne. Aberscht och 
um den Aktenvarius is et jammerschade, so 
eenen kriegen wir nie nich wieder, det war 
meen specieller Fremd, der schrieb Allens nie 
der, wie ick et haben wollte. Det hat mich 
zwar Manchen Schnaps gekostet, denn er kam 
oft in meenen Keller, unn konnte ocksig eenen 
pfeifen. Aberscht det schabt nifct;t. Mit die 
Schnäpse habe ick manche Klage gewonnen. 
O Herr Jesus, det is ja een höllisch 
Unglücke vor Dich! Aberscht warum hat man 
denn diese guten Leite fortgeschickt, det is och 
woll von wegen unsre neie Freiheit, oder von 
de zukünftige? 
Ach nee, et war noch bei de olle. Ick 
habe mir och sere gewundert, denn vor unsre 
Rcvoluzijon saßen solche Leute ecklig fest in 
ihre Postens, wenn se och mitunter schräg wa 
ren und gar nischt daugen dhaten. Ick weeß 
och nich so recht, wat die Geschichte eegentlich 
vor eenen Hacken bat. Ick globe et ärgerten 
sich ville, dat die Drei so ville saufen dhaten, 
unn se nischt davon abkrichten, und weil se 
nie nich eene Klage gewinnen konnten, wenn 
se nich jut Freund mit se waren. 
Aberscht denn hätten se sich doch mit sc 
befremden unn se düchtig spicken sollen. v | l9 *y 
Ja, det sagst Du woll so in Deinen 
dummen Verstand. Det war nich so leicht, 
wie Du jlobst, se waren alle drei wie de 
Schwämme, se waren höllisch schwer voll zu 
kriejen. Hätte ich nich immer düchtig Schnäpse 
unn och woll eene kihle Weiße gegeben, denn 
wäre et mich schlecht jegangen. Auf Den se 
eene Pieke hatten, den ging et sehr ccklich, 
dann half alle Klagejeschichte eenen Quark. 
De Jeschichte hat übrigens och in de Voßsche 
unn den Publizisten icstanden, et war sehr 
schöne, zu lesen de Beschreibung unn det janze 
Perschonal kann ornblich stolz druf sind, se 
find höllisch berühmt geworden. 
Ach die guten Leite! det is wirklich. Pech. 
Da müßte man ja ville wegschicken, wenn et 
blos wegen ihre Lustigkeit geschehen is. Wo 
hat man se denn nu aber hin erpedirt? Se 
haben woll jute Pension gekriegt, weil se noch 
von det alte System waren? 
Det nu gerade nich, aberscht ihre Ver 
dienste sind doch anerkannt, und sonne Aner 
kennung^ will heit ville sagen. Der Affenda« 
rius hat eenen Ruheposten gekricht, er is Sing- 
akademist geworden. Ick jlobe de 3 Dalrr 
vor's Rischtdhun und Faullenzen schmecken ihn
	        
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