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5. Erstes hochnothpeinliches Ketzergericht

Full text: Moderne Ketzergerichte / Vogtherr, Ewald (Public Domain)

haupt noch Männer, oder sind das nur politische Wetterfahnen? 
Große Unruhe.) 
Vorsteher: Ich rufe Sie zur Ordnung wegen dieses Ausdrucks! 
Da Sie sich bereits gesetzt haben so habe ich keine Veranlassung, 
an die Versammlung die Frage zu richten, ob sie Ihnen das Wort 
entziehen will. 
Von Herrn Kollegen Kalisch ist folgender Antrag eingegangen: 
Die Stadtverordneten Versommlung ist im Prinzipe mit 
der Ueberlassung von Schulräumen für den Religions-Unter— 
richt von Kindern der freireligiösen Gemeinde einverstanden, 
geht jedoch über die vorliegende Petition — in Anbetracht 
der gegebenen Aufklärung — zur Tagesordnung über. 
Herr Stadtv. Kunert hat das Wort zur Geschäftsordnung; ich 
bitte Sie aber, unsere Geduld nicht allzu sehr auf die Probe zu stellen. 
Stadto. Kunert: Ich bin zwei Mal zur Ordnung gerufen 
worden. Ich muß erklären, daß ich ein solches Zurordnungrufen mir 
nur zur Ehre anrechnen darf. (Große Unruhe.) 
Vorsteher: M. H.! Ich glaube, ich sage darauf gar nichts. 
denn das ist nicht einmal neu. (Sehr wahr! und Heiterkeit.) 
Wir fahren fort in der Debatte. Der Herr Stadtschulrath 
Dr. Bertram hat das Wort. 
Stadtschulrath Dr. Bertram: M. H.! Ich habe nur Einiges 
zu bemerken. Anfangs habe ich es eigentlich bedauert, daß entgegen 
nicht gerade der Städteordnung oder der Geschäftsordnung dieser 
geehrten Versammlung, aber doch entgegen dem Herkommen der Herr 
Vorredner hier das Wort in eigener Sache ergriffen hat. Hinterher 
habe ich es nicht mehr bedauert, denn er hat mich eigentlich völlig 
der Nothwendigkeit überhoben, die Gründe darzulegen, weshalb die 
Schuldeputation den bewußten Schritt gethan hat. Aber Einiges 
muß ich berichtigen. Der Herr Vorredner hat nur von einem 
Schreiben an den Herrn Stadtrath Schreiner gesprochen. Herr 
Stadtrath Schreiner ist ja der Vorsitzende der Schuldeputation, und 
insofern gehen die Verfügungen der vorgesetzten Behörde allerdings 
zunächst an ihn. Aber dieses Schreiben und die Verfügung war 
gerichtet an die Schuldeputation resp. an den Magistrat, und was 
dann von Seiten dieser Instanz geschieht, ganz gleichgültig, ob das 
von dem Stadtrath Schreiner oder einmal in dessen Vertretung von 
mir oder von einem anderen Vertreter unterzeichnet ist, das ist immer 
das, was die Schuldeputation thut; die einzelnen Personen treten 
da ganz zurück. Ich meine das natürlich nicht in dem Sinne, als 
ob ich nicht für meine Person auch die volle Verantwortung für den 
Beschluß zu übernehmen bereit wäre. Auf das Privatgespräch, von 
dem uns der Herr Vorredner unterhalten hat, dessen einzelne Phasen 
ich nicht kenne, kann ich hier natürlich nicht eingehen. Ihr Herr 
Berichterstatter hat in so sachlicher Weise den Gang der Verhand— 
lungen dargelegt, daß ich darin nur zu erwähnen habe, daß der 
Herr Berichterstatter sich wahrscheinlich nur versprochen hatte: es ist 
dicht aus dem Jahre 1876. aus dem Jahre 1874 der Beschluß der
	        
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