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XXV. Der Zentralvieh- und Schlachthof

Full text: Die öffentliche Gesundheits- und Krankenpflege der Stadt Berlin (Public Domain)

Der Zentralvieh- und Schlachthof 
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zubewahren und von hier stückweise zu entnehmen, dazu ist die Ent- 
fernung des Schlachthofes von den Fleischläden der inneren Stadt zu be- 
deutend; die Ladeninhaber ziehen vor, das erkaufte Fleisch in ihren Kis- 
schränken aufzubewahren und ihre kleinen Vorräthe durch tägliche 
Lieferungen der Kngrosschlächter zu ergänzen. Vebrigens halten sich 
die Kadaver sowol in den Kellern wie in den überaus luftigen Hallen 
der Schlachthäuser, die stets fliegenfrei sind, ganz vortrefflich. 
Die Schlachthäuser werden durch folgende gewerbliche Hilfs- 
anstalten ergänzt: 
Eine Anzahl Darmschleimereien am Schlachthofe, an Industrielle 
vermiethet, benutzen dieselben zum Entschleimen der entleerten und ge- 
spülten Gedärme, um die letzteren sodann entweder in frischem oder in 
gesalzenem oder getrocknetem Zustande zur Wurstfabrikation zu verkaufen. 
In demselben Gebäude werden auch Köpfe und Füsse von Kälbern und 
Hammeln gebrüht. 
In der am Schlachthof etablirten Schmelzküche für finnige 
Schweine wird Speck und Fett solcher Schweine, die nicht stark lfinnig 
befunden worden sind und zu diesem Behufe im Interesse ihrer Eigen- 
thümer dem Pächter überwiesen wurden, unter Aufsicht in Digestern zu 
Speiseschmalz ausgeschmolzen. 
Die an einen Fabrikanten verpachtete Albuminfabrik des Schlacht- 
hofes, die in einem Umfang von 1000 qm von der Stadtgemeinde erbaut 
ist, dient dem Zweck, dem am Schlachthofe gewonnenen Blut, soweit cs 
nicht zur Wurstfabrikation anderweitige Verwendung findet, das Eiweiss zu 
entziehen, um das zurückbleibende sehr stickstoffreiche Fibrin zu trocknen 
and zu darren. Das getrocknete, durch Kntziehung des Wassers aus dem 
Serum gewonnene Blutalbumin wird an Kattundruckereien abgegeben, die 
es mit Wasser auflösen und zum Anrühren unechter Farben verwenden, 
Die bedruckten Zeuge werden dem Dampfe ausgesetzt, der das Albumin 
zur Koagulation bringt und somit die Farbe fixirt bezw. waschecht macht. 
Das Fibrin als getrockneter und gemahlener Blutkuchen wird zur Ver- 
besserung stickstoffarmer Düngepulver, Phosphorite u. s. w. benutzt. Ks 
gelangen jährlich etwa 2', Millionen Liter Blut zur Verarbeitung. 
Eine ebenfalls verpachtete Talgschmelze gestattet die Verarbeitung 
von wöchentlich 1000 bis 1500 Zentnern Fett auf Margarin (zur Kunst- 
butterfabrikation), Seifen- und Lichttalg. 
Das polizeiliche Schlachthaus mit Observationsstall, unter 
Betriebsleitung der Königlichen Veterinärpolizei stehend, dient zur Be-
	        
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