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Full text: Die freie Arztwahl in Berlin / Mugdan, Otto (Public Domain)

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treten können, wenn auf diese Verhältnisse schon auf den Uni- 
versitäten bei dem klinischen Unterrichte Rücksicht genommen wird; 
hier in Berlin ist es aber wieder die freie Arztwahl, die am meisten zur 
Erziehung der Aerzte in dieser Beziehung beigetragen hatund deshalb 
auch im Laufe der Zeit die besten Resultate erhoffen darf. Fast 
alle Kassen, die mit dem „Vereine der freigewählten Kassenärzte“ 
Verträge abgeschlossen haben, liessen zuerst alle verschriebenen 
Rezepte, sowie dieselben von den einzelnen Apotheken zur Hono- 
rirung eingereicht wurden, durch einen Apotheker auf die rechne- 
rische Richtigkeit untersuchen und übergaben sie dann dem Aerzte- 
vorstande zur weiteren Prüfung. Dieser bildete aus seinen Mit- 
gliedern unter Zuziehung von ca. 30 bis 40 Aerzten eine Rezept- 
Revisions-Kommission; unter die Mitglieder dieser Kommission 
wurden alle Rezepte, nach dem Namen der Aerzte geordnet, ver- 
theilt und genau auf etwaige Fehler untersucht. In gemeinsamer 
Berathung wurden die Fehler besprochen, und dann jedem ein- 
zelnen Arzte die fehlerhaften Rezepte, entweder abschriftlich oder 
originaliter, unter Bezeichnung des Fehlers und der Verbesserung 
zugesandt. Handelte es sich um grobe Verstösse und um fort- 
währende Vernachlässigung der vom Vereinsvorstande erlassenen 
Vorschriften, so wurden die betreffenden Aerzte vor die Beschwerde- 
Kommission geladen und daselbst verwarnt. Ausserdem wurde 
statistisch festgestellt, wie theuer jeder Arzt in jedem Krankheits- 
falle verschrieben hatte, um sich auf‘ diese Weise im Laufe der 
Zeit ein Urtheil über die einzelnen Aerzte in dieser Beziehung 
bilden zu können. Durch diese grosse Anstrengung ist es in der 
That erreicht worden, dass das einzelne Rezept viel billiger wurde, 
als früher, indess muss zugegeben werden, dass die Menge der 
Verordnungen noch immer sehr hoch geblieben ist. 
Aber auch hier ist die Gewerbe-Deputation hindernd einge- 
treten. Am 18. September 1894 verbot sie den Kassen, ihre 
Rezepte den Aerzten zu übergeben. Nach ihrer Auffassung stellen 
die Rezepte Quittungen über von der Kasse geleistete Ausgaben 
dar, und diese Quittungen müssten 5 Jahre auf der Kasse auf- 
gehoben werden. Diese strenge Aufiassung ist jedenfalls sehr un- 
praktisch; die einzelnen Apotheken übergeben übrigens jeder Kasse 
allmonatlich oder vierteljährlich eine Rechnung, und es erscheint 
für eine Revision genügend, wenn diese Rechnungen nach ihrer 
Begleichung sorgfältig aufgehoben werden.') 
) Einige Kassen haben wegen dieser Verfügung Beschwerde eingelegt, 
die noch nicht erlediet ist.
	        
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