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Full text: Die freie Arztwahl in Berlin / Mugdan, Otto (Public Domain)

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Für ärztliche Behandlung 
Arznei . . . 
Sonstige Heilmittel 
Krankengeld an Mitglieder 
„ Angehörige 
Kurkosten an Heilanstalten 
3 
1892 
20 912 85 
28258 7° 
6785 1° 
215 281 4 
7009577 
3 
1893 
28 693 45 
24 251 93 
578615 
132757 10 
4 647 95 
29 250 22 
25 392 SU 
Mithin 1892 mehr: 
Die durchschnittliche Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 
1892 19076, im 1. Semester 1893 17327. Jedes Mitglied kostete 
im 1. Semester 1892 Mark 16,40, im 1. Semester 1893 Mark 13,08. 
Dieses günstige Ergebniss ist bis jetzt geblieben. Die Ausgaben 
betrugen pro Kopf des einzelnen Mitgliedes im Jahre 1892, wo 
keine freie Arztwahl war, Mark 28,44, im Jahre 1893, des Jahres 
der Einführung der freien Arztwahl sanken sie auf Mark 27,12 
und betrugen im Jahre 1894 nur noch Mark 25,33, 
Diese Thatsachen beweisen die Unhaltbarkeit des Vorwurfs, 
dass die freie Arztwahl der Simulation Vorschub leiste. Es war 
übrigens von vornherein dieses günstige Ergebniss zu erwarten, 
weil bei diesem System die Arbeit unter den Aerzten gleichmässiger 
vertheilt ist; einem Simulanten wird sein Vorhaben bei einem 
Arzte leichter glücken, der in seiner Sprechstunde 60 bis 70 Per- 
sonen abzufertigen hat, als bei einem anderen, der ihn mit Ruhe 
und Musse untersuchen kann. Der letztere wird auch deshalb, 
— und das darf auch nicht vergessen werden — weit seltener einem 
Kranken dadurch schaden, dass er ihn zu Unrecht für einen Simu- 
lanten erklärt. 
Es scheint uns nämlich, dass in der letzten Zeit in etwas 
übertriebener Weise bei Erörterungen über das Krankenver- 
sicherungsgesetz die Simulation betont wird, um das allseitig be- 
obachtete Anschwellen der Krankenziffer zu erklären’). Versteht 
man unter einem Simulanten einen Menschen, der eine Krankheit 
oder Beschwerde. für die keine Ursache hesteht, vorspiegelt, so 
ı) Man darf auch nicht übersehen, dass manche Aerzte einen Kranken, 
bei dem sie nichts finden können, als Simulanten erklären, wie z. B. lange 
Zeit die armen Kranken, die an traumatischer Neurose litten, einer durch 
Unfall ohne jedes äussere Symptom einhergehenden schweren Nervenkrankheit, 
dieses Vergehens beschuldigt wurden.
	        
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