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Erstes Buch. Das Mutterhaus IV. Die arbeitenden Personen

Full text: Bethanien / Schulze, Gustav (Public Domain)

andern Frauen und Kinder, die durch Hilfe einiger NMenfchenfreunde aus ihren 
Erdhöhlen herausgeholt und bier untergebracht worden waren. Für Speifung 
und Feuerung war geforat, aber alles übrige fehlte. Zwei. drei Kranfe Tagen in 
ner Bettitelle, meift nur im Stroh und von ihren Lumpon Kaum bedeft, alle in 
Schmuß und Ungeztefer vie begraben, mit den Uüttern Franke, derbende und 
zefunde Kinder. Ebenfo fehlimım ftand’s in den Alnrbeiterwohnungen der Stadt, 
wo oft vier bis fehs Familien in einer Stube hauften, hungernd, frierend, Frauf 
und fterbend, etwas Stroh auf dent ungedielten Fußboden ibr Lager. Dabei 
lagen auch die beiden Ärzte der Stadt am Typhus darnivder. Der OÖOberin und 
Ihren beiden Schweftern ftand das Herz ftill, als fie da eintraten. Un Pflegen 
var da zunächft nicht zu denken, erft mußte das dazu Wötige beichafft werden: 
Sofale, Bettitellen, Wäfche, Bettzeug. Anterftüßt von einigen waferen Männern 
hat fie mit den beiden Schweitern in vier Tagen das alles beichafft. Zmmer, 
wenn ein Bett fertig war, war auch der Kranke gewaichen, gereinigt und befleidet, 
und wurde dann in das neue Lokal getragen, bei der grinunigen Kälte an fich 
"hon Feine Feine Aufgabe. Erft Fanıcn die Frauen und Kinder an die Keihe, 
dann die Männer. Dabei war die OÖOberin in ihrem Element, aber freilich gab 
s weder Tag noch Nacht Ruhe. Die drei wohnten erfit im Wirtshaufe, in dem 
der eine Arzt im Fieberdeliriung lag. Später nahnı das Pfarrhaus die beiden 
Schweitern auf, die Oberin reiste nach Beendigung ihrer Aufgabe anı 25. Zanuar 
ab und Fehrte über Berdauen fchon am 258., früher, als fie gewollt hatte, nach 
Bethanien zurügß, Sie fühlte fidh unwobhl, aber fie ließ nichts merken, erzählte 
non ihrer Reife und erftattete am 51. Hanyar auch der Königin Elifabeth 
mündlichen Bericht. Somutag den 2. Februar Fommunizierte fie und hörte, da 
Sichtmeffen war, eine Predigt über Simons Schwanengefang. Ihn WWontag 
hielt fie fih noch aufrecht, wohnte viner Sigung des Zauneren Xates bei, hatte 
auch noch eine lange Konferenz wegen Übernahme einer neuen Station. Aber 
am Dienstag blich fie jtark fiebernd und mit heftigen Kopfwch Liegen. Zn den 
nächften Tagen nahnı das zu, dabei blich ihre Teilnahme für alles, was im 
Haufe vorging, rege, und fie fragte nach allem. Donnerstagnachmittag feßte fie 
ich plögslih im Bett aufrecht und verlangte, die Schweiter, die bei ihr war, Tolle 
den Rendanten benachrichtigen, daß or die Berichtsbherren hole, fie wolle ihr 
Teftanent machen. Nachdem cs gefcheben war, mußte ihr die Schweiter cin 
Käftchen reichen. „Das,“ {fagte fie, „wird Herr Paftor wohl öffnen, wem ih 
aun geftorben bin.“ Paftor Schulg war, weil anfangs niemand die Sache für 
ichlimm hielt, nach BGörlis gereift. Die Schweiter erbebte in tiefer Traurigkeit, 
aber die ÖOberin fagte: „Bittet mich nicht ftürmifch vom DErrn los! Wenn vs 
Sein Wille ift, Laßt nich geben!“ Abends Hicg fie fich die Cieder Lefen: „Allein 
ar dir. DErr Yefu Cbhrift“ umd „ch ruf zu dir, DErr Xefu Ehrifit,“ Aber die
	        
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