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Erstes Buch. Das Mutterhaus IV. Die arbeitenden Personen

Full text: Bethanien / Schulze, Gustav (Public Domain)

jünaite Schweiter nach Kurzer Krankheit den Erfhütterungen jener Schmerzenstage, 
Auch auf Aınas Berz übten jene Zeiten einen immer mehr vertiefenden Einflugß. 
Es folsten nun mitten unter den politifchen Wirren drei Yahre wohlthuender 
Stille und Gemeinfchaft, und auch Anna genoß mit herzlicher Danfkbarfeit 
befonders das Zufanmenleben niit den gelichten Dater, dem die Menge feiner 
Befchäfte bis dahin wenig Seit für die Seinen übrig gelaffen hatte. Eine 
Schweiter, Ebharlotte, trat im Oftober 1850 als Probepflegerin in Bethanien 
ein, und in diefer Zeit bildeten fich auch Annas erfte Bezichungen zu dem Haufe, 
das ihr nachmals eine zweite Heintat werden follte. Charlotte follte fpäter das 
Mariannenftift übernehmen, mit deffen Begründung die Familie damals befchäftigt 
war. Gott führte fie aber andere Wege, und fie verheiratete fich vor ihrer Ein- 
feamung mit dem Oberpräfidenten Hans Hugo von Kleift:-Regow. Bald 
nachher, im Sommer 1851, ftarb in Diersfordt anı Rhein wieder ein fchr 
aelichter Bruder, und um diefelbe Zeit trat der Dater als WMinifter des 
Königlichen Baufes in den Staatsdienft zurüg. Der Gedanke, aus der Stille 
wieder in das laute Treiben der Welt zurüczufchren, war ihr {chr {hwer, und 
ihre Gedanken richteten fich ernftlih auf Bethanien, wo der Icer gewordene Plag 
ihrer Schweiter Charlotte auf fie wartete, Sie fagt felbft darlıber: „Air war 
eigentlich nur in Bethanien wohl, wohin ich, fo oft ih nur Fonnte, ging. Schr 
bald erwachte in mir der fchnliche Wunfch, hier in der BGenoffenfchaft der 
Schweitern dem HErrn in feinen Kranfen dienen zu dürfen, und jeder Gedanke 
daran ward zum Gebet, daß der HErr felbft mir Bahn dazu machen möchte. 
Ich wartete ruhig und in getrofter Zuverficht auf den Augenblif, wo er es mir 
durch die Umftände zeigen würde, daß ich meinen lieben Eltern davon fagen dürfe, 
und früher, als ich zu hoffen wagte, hatte der treue, barmherzige HErr meine 
Bitte erhört und das Herz meiner teuren, geliebten Eltern gelentt, daß fie mir 
am 18. Oftober 1852 ihre freudige Zuftimmung und ihren Segen gaben.“ Erft 
begleitete fie noch ihre Mutter in das Kleift-Regowiche Haus nach Koblenz, und 
am 5. Juni 1855 brachten die Eltern fie nach Bethanien. hr Eintritt war. 
wie Paftor Schulß in ihrer Leichenrede fast, „eine Erquidung in {hwerer Zeit“. 
Denn die OÖOberin des Haufes lag feit dreiviertel Zahren auf den Sicchbette, und 
der Jungen Probepflegerin wurde der Ernft des Berufes, den fie erwählt hatte, 
irüh fühlbar. Auch für ihr perfönliches Leben kam noch eine Ichwere Prüfung; 
denn am 11. februar (854 ftarb ihr Pater. Aber wie fie an feinen Sterbebette 
itand, wie fie ihn au über ihr Bleiben in Bethanien feinen Segen wiederholen 
hörte und dam von feinen erblaffenden £ippen fein Lestes Bekenntnis vernahnı, 
da wurde es ihr vSllig gewiß, daß fie des HErrn Weg ging, und mit ganzer 
Wendung richtete fie ihr Antlis nach vorwärts. Ein Vierteljahr f{päter, am 
LS. April 1854, empfing fie am Altar der bethanifchen Kirche das Diakonifenanmt,
	        
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