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Erstes Buch. Das Mutterhaus II. Die Geschichte der Arbeit

Full text: Bethanien / Schulze, Gustav (Public Domain)

Schweitern zufanımen, und anı nächften Tage, der cin Sonntag war, Fonnten fie 
im der Meinen evangelifchen Kirche fogar cine Predigt hören über den 75. Pfalm. 
Da erfuhren fie au von den Siegen des vorhergehenden Tages bei Wörth und 
Saarbrügen. Die Schweitern fehnten fidy herslich danach, in die Arbeit zu 
Bommen, aber fie mußten fich noch bis zum nächiten Tage, 8. Auguft, gedulden, 
wo fie endlich nachmittags über Mainz nach Kaitferslautern dirigiert murden. 
Zu Mainz vereinigten fie fih mit den am 6. Auguft nachgefandten acht 
Schweitern, erfuhren aber zugleich durch cin Telegramm des Fürften von Pleg, 
dag dic nach Bingen zurügf müßten, um ftatt nach Kaiferslautern vpichnehr nach 
Neunkirchen zu gehen. Dort angelangt, wurden fie fofort weiter nach Saar 
brügen gewiefen, wo fie am Abend des 9. Auguft eintrafen. Hier empfingen 
fie die erften Eindrücke des Krieges. Denn der Bahnhof war demoliert; ringsum 
brannten die Biwakfener; fie fahen Befangene und Derwundete weitertransportieren, 
Ein Unterfommen fanden fie nicht und waren froh, in ihren Eifenbahnwagen 
bleiben zu dürfen, bis vs Tag murde. Auch zu effen gab vs nichts. An der 
Frühe des 10, Auguft fuchte die leitende Schwefter Ottilie Seeger den Fürften 
von PTeß im Zohanniterquartier auf, erlangte mit feiner Hilfe einige Erquicungen 
für die Schweftern und endlich auch die heiperfehnte Arbeit. Es wurden ihnen 
drei Kazarette zugefagt: im Gynmafium, in der Gewerbefchule und im Kafıno, 
Die Gewerbefchule war indes am Abend vorher {chon von Fatholifchen Schweitern 
befeßt worden. Auch im Kafıno war das der Fall. Doch wurde es auf Wunfch 
des Oberjtabsarztes 21T., der einige unferer Schweftern Fannte, an fünf derfelben 
übergeben, die indeffen fehon nad einigen Tagen von Kaiferswerther Schweftern 
abgelsit und nach Pont a Mouffon dirigiert wurden. Dagegen fanden zehn 
betbantfche Schweftern, unter Leitung von Schweiter £uife von Hayn, im 
Synmafium Arbeit an 80 fchwer Derwundeten. Der Schlafraum der Schweftern, 
in dem fie fich abends alle 535 zufanmenfanden, mar ein großer, fehr ungemüt: 
licher Stall, der bis dahin ein ÜManenquartier gewefjen war, Sie blieben dort 
indefjen nicht lange, da die Mehrzahl der Schweitern nach Sorbach verlangt 
wurde, wo die Not fehr groß war, Dorthin gingen ihrer zwanzig nit drei Ärzten 
und Michreren anderen Derren, geleitet vom Grafen von Schlabrendorff als 
Sohanniterritter. Es lagen gegen 400 Derwundete in der Heinen Stadt an 
verfchiedenen Orten: in der WMairie, den Schulen und dem College. Die Schweftern 
teilten fich und arbeiteten frifch darauf los, Yhre Thätigkeit war piclfeitig und 
anregend. Da Sorbach an der Etappenitraße lag, fo ftand ihnen alles zur 
Pflege 2ötige im ausreichendem Maße zur Derfügung, S$reilidh brachten die 
unabläffig ftattindenden Truppendurchzüge auch jchr viel Unruhe. Aber das 
bot andererfeits micderum Gelegenheit, zahllofe Schwache und ANüde unter ihnen 
yu ermien, und oft Fonnten fie ganzen Bataillonen den Durft mit Wein und
	        
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