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Der General-Reichskanzler

Full text: Aus der militärischen Gesellschaft Berlins / Robolsky, Hermann (Public Domain)

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hören bkommt, hat ale Chef der Admiralität Ge— 
legenhe?? gehabht tief Blicke in die staatlichen, 
militärischen, ökonomischen Verhältnisse anderer 
Mächte zu thun; er hat stets mit klarem Blick die 
Entwickelung der Völker in der Neuzeit beobachtet, 
dazu ist er ein Kenner der Sprachen, wie der 
Geschichte, wie selter einer Wem es vergönnt ist, 
sich mit ihm in unaerrtagener Weise über alle 
Fragen zu unterhaltn, die uns in der Gegenwart 
berühren, der wird staunen über die ruhige Be— 
obachtungsgabe, über das sichere Urteil, die weiten 
Blicke, mit denen der Reichskanzler die Situation 
bespricht. Welch eine Meuschenkenntnis verrät er, 
wenn er Leute für best'nunt cgaben aussucht, 
wenn er anderen Win“ nicht weiter zu 
amtieren. Auch für das innere Volksleben, die 
soziale Frage hat er ein großes Verständnis, er 
hat sie von Grund aus studiert, er weiß genau, 
welche Faktoren dazu gehören, sie zu lösen, soweit 
es überhaupt möglich ist. Er ist aber Feind aller 
Redensarten, Feind aller halben Menschen; er will 
Thaten sehen, getragen von der vollen Hingabe 
ganzer Persönlichkeiten, deshalb ist er sehr umsichtig 
in der Wah seiner Leute. 
General von Caprivi ist ein Mann von vor— 
nehmer Gesinnung. Strebertum ist ihm verhaßt. 
Es hat ihn viel inneren Kampf gekostet, die Stelle 
eines Reichskanzlers anzunehmen; wie er selbst 
sagte, war es der schwerste Schritt seines Lebens. 
Aber er gehört seinem Kaiser; auf des Kaisers
	        
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