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Im Königsschloß

Full text: Das vornehme Berlin / Robolsky, Hermann (Public Domain)

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Theile des Parkes auf den Rasenflächen Ballspiel, an kühlen 
Sommerabenden sah man ihn bisweilen ganz allein, die kurze 
Pfeife im Munde, unter den alten Eichen und Ulmen einher— 
schreiten. 
Das Marmorpalais sieht gerade auf eine hundertjährige 
Geschichte zurück. König Friedrich Wilhelm II. hat seiner Zeit 
das am Heiligen See gelegene, aus Ackerstücken und Obstplantagen 
zusammengelegte Terrain nach und nach angekauft und das Schloß 
selbst auf dem Grundstücke eines Kaufmanns Punschel erbaut, 
welches der König 1783 als Kronprinz für den Preis von 
3300 Thalern gekauft hatte. Mit dem Bau des Schlosses wurde 
schon im Jahre 1787 durch Gontard begonnen; die Haupt- 
arbeitszeit aber fällt in das Jahr 1788, wo Langhans den Bau 
weiter führte. Ueber das phantasievolle, rege Leben, welches 
unter Friedrich Wilhelm II. im Marmorpalais herrschte und 
über die ersten Schicksale des Hauses selbst erzählt Bethge in 
seinen „Hohenzollern-Anlagen“ einige bemerkenswerthe Einzel— 
heiten. Das Schloß wurde auf Pfahlwerk in den See hinein— 
gebaut; die Grundform bestand aus einem Quadrat, jede Seite 
70 Fuß lang. Auf beiden Seiten des Schlosses ruht ein rundes 
Belvedere, dessen Dach eine vergoldete Kindergruppe mit einem 
Blumenkorbe krönte; auf der Wasserseite des Schlosses wurde ein 
säulengetragener Balkon angebracht. Die Mauern wurden mit 
Ziegelsteinen in holläundischer Färbung aufgeführt und mit Marmor— 
ausschmückungen versehen, woher der Name „Marmorpalais“ 
entstanden ist. Ein 150 Schritte langer, unterirdischer Gang 
endete bei der südlich vom Schlosse gelegenen Küche, welche letztere 
einen halb versunkenen Tempel am See darstellte. Im Jahre 
1790 konnte der König das Schloß beziehen. Der um das 
Schloß angelegte „Neue Garten“ war ein vorzügliches Garten— 
bauwerk in durchweg englischem Styl, bei welchem die malerischen
	        
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