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Charlottenburg und Hoppegarten

Full text: Das vornehme Berlin / Robolsky, Hermann (Public Domain)

darf nicht des Beweises. Wer jemals seit der am 3. Oktober 
1886 erfolgten Wiedereröffnung des Totalisators einem preußischen 
Rennen beigewohnt hat, der wird wissen, daß sich an diesem 
Spiel die ausgedehntesten Kreise betheiligen, welche weder Interesse 
für die heimische Pferdezucht, noch Kenntniß von der Leistungs— 
fähigkeit einzelner Rennpferde und Jockeys besitzen. Der Renn— 
platz ist thatsächlich nichts auderes als eine vornehme Spielhölle, 
und die Verführung ist um so größer, als der Gewinn oftmals 
ein außerordentlich großer ist. Beispielsweise wurde schon am 
ersten Tage der neuen Thätigkeit des Totalisators in einem 
Rennen für je zwanzig Mark Einsatz ein Gewinn von 1823 
Mark ausgezahlt. Dazu kommt, daß im Anschluß an das heutige 
Rennen auch außerhalb der Rennbahn das Glücksspiel betrieben 
wird und die Rennen aus diesem Grunde das Stelldichein zahl— 
reicher Abenteurer bilden, welche sich nur zu oft als katilinarische 
Exristenzen erweisen. 
Ueber die Gründe der Berufung ver unter dem Vorsitze 
des kommandirenden Generals des 11 Armeecorps, Frhr. von 
Schlottheim in Berlin, Juni 1886, zusammengetretenen Komission 
zur Regelung der Bedingungen, unter welchen zukünftig Offiziere 
des stehenden Heeres an öffentlichen Rennen theilnehmen 
können, machte ein Berliner Blatt einige Andeutungen. Danach 
handelte es sich hierbei um zwei entgegenstehende Ansichten. 
Einerseits wurde geltend gemacht, daß es sich für Offiziere über— 
haupt nicht schicke, um Geldpreise zu reiten, außerdem es zu 
Inconvenienzen führe, wenn Offiziere gleichzeitig mit Jockeys an 
demselben Rennen betheiligt seien, weil letztere doch rein geschäfts— 
mäßig den Rennsport betrieben, während bei Offizieren eine solche 
Absicht selbstverständlich ausgeschlossen sein müsse. Um diesen 
Uebelständen abzuhelfen, wurde vorgeschlagen, daß Offiziere über— 
haupt nicht mehr um Geld, sondern nur noch um Ehrenpreise
	        
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