Path:
Im Opernhause

Full text: Das vornehme Berlin / Robolsky, Hermann (Public Domain)

339 
bildete. Allseitig wurde mit Freuden bemerkt, daß Se. Majestät 
die ehrerbietigen Grüße mit huldvollster Freundlichkeit erwiderte 
und sich in der freudig bewegten Menge wohl zu fühlen schien. 
Jetzt war den neugierigen Blicken der Damenwelt auch die 
erwünschte Gelegenheit geboten, die exquisite Toilette der Kaiserin, 
die, wie stets, ein Muster feinen Geschmacks war, nach Gebühr 
zu bewundern. Die hohe Frau trug ein weißes Seidenkleid 
mit handbreiten, helllila Streisen, einer helllila Schleppe mit 
Plisses und breiten in Gold und Silber gestickten Borten, 
welche sich wirkungsvoll von dem zarten Grund abhoben. Eine 
bordeauxrothe Schleife schmückte die weißseidene Taille vorn an 
der Brust und eine Feder von gleicher Farbe hob sich von dem 
in allen Farben funkelnden Diamantendiadem über dem Haupte 
empor. Ein schwarzes Sammetband mit Brillantsternen umschloß 
den Hals, den außerdem noch ein Kollier von prachtvollen großen 
Diamanten und eine doppelte Schnur von weißen Perlen schmückte. 
Die Prinzessin Albrecht trug ein weißes Seidenkleid mit weißen 
ungemein zarten Stickereien, welches reich mit Guirlanden far— 
biger Blumen garnirt war. Auf ihrem Haupte strahlte ein 
Diadem von Smaragden, deren dunkles Grün von zahllosen, 
flimmernden Brillanten umrahmt war. Die Prinzessin von 
Meiningen trug ebenfalls ein weißes Seidenkleid, dessen Garni— 
rung aus Korallen und dunkelgrünen Schilfblättern bestand. 
Korallen und Schilf bildete auch den Schmuck des Haares. 
Gegen die Gewohnheit der früheren Jahre fand gestern ein 
zweiter Umgang des Hofes nicht statt. Die tiefe Trauer, welche 
die kronprinzliche Familie und die des Prinzen Friedrich Karl 
heimgesucht, hielt die Mitglieder beider Familien vom Balle 
fern. Aus diesem Grunde mochte man von einem zweiten Um— 
gange Abstand genommen haben. Die Kaiserin und die Prin— 
zessinnen zogen sich bald nach 11 Uhr zurück. Der Kaiser
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.