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Auf dem Hofballe

Full text: Das vornehme Berlin / Robolsky, Hermann (Public Domain)

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Gewändern von blöhenden diamantumglänzten Schultern, von 
duftenden Blumen und wallenden Schleiern niederblickst und wenn 
Du dann nach einer Stunde zurückkehrst in die dunkle Kasernen— 
stube mit der blakenden Lampe und den schnarchenden Kameraden? 
Was wirst Du einst zu Hause erzählen im Stall und hinter dem 
Pflug von dem, was Du hier erlebt! 
Jetzt sind wir im Weißen Saal. Der Kaiser und die 
Kaiserin begrüßen ihre Gäste. An der Längswand ist eine Stufe 
aufgeschlagen, von den Pagen besetzt, die Reihe von großen 
Fautenils ist für die Damen des Hofes bestimmt. Jetzt steht 
Alles. Ein weiter Kreis ist gebildet von den Legationen, welche 
in einer, wie es scheint, feststehenden Ordnung in geschlossenen 
Gruppen ihren Platz eingenommen haben. Der Kaiser schreitet 
von einer zu andern, für jeden hat er freundliche Worte und 
ein huldvolles Lächeln. Auch die Kaiserin hat einen freundlichen 
Gruß für Jeden des erlauchten Kreises und über denselben hin— 
aus schweift ihr Blick und Gruß in die Schaaren der Gäste hin— 
ein, die beim Nahen des Monarchen sich neigen wie Aehren im 
Winde. 
Der Umgang ist beendet. Die ersten Töne des Walzers 
— DDDDD 
dogmatisch gewordene Introduktion aller Bälle, also auch hier! 
Man tanzt übrigens nicht Walzer, sondern Galopp. Das soll 
Hofsitte sein. Die Tänzer sind sämmtlich nur dem Kreise 
der Uniform angehörig. Der schwarze Frack sieht zu. 
Im eigentliche Sale und den Vorräumen ist die Bewegung 
kaum möglich. Dagegen öffnet sich am anderen Ende des 
Saales die Wand, die zur Kapelle führt, und hier kehrt Luft 
und Bewegung wieder. Hier ist ein herrlicher Punkt; die breiten 
Marmorstufen, mit schweren Teppichen belegt, steigen von beiden 
Seiten an, dazwischen plätschern Springbrunnen in einem Gebüsch
	        
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