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Aus der Gesellschaft

Full text: Das vornehme Berlin / Robolsky, Hermann (Public Domain)

* 
Abend giebt der Monarch sich ganz dem Genuß seiner geliebten 
Kunst hin und es gehört zu seinen liebsten Erholungen, nach 
arbeitsreichen Tagen, wenn der neuernannte Gesandte am olden— 
burgischen Hofe, Graf Philipp Eulenburg ihm seine ergreifenden 
Balladen singt, oder Herr von Chelius durch sein herrliches 
Clavierspiel die ganze Wunderwelt von Bayreuth hervorzaubert. 
Neben diesen beiden Namen der Berliner musikalischen Gesell— 
schaft finden sich aber noch manch andere Namen von gutem 
Klang. Die musikalischen Leistungen der Herren von Willich, 
von der Marwitz, von Schelling und mancher Anderen mehr 
dürfen gewiß mit vielen von Berufsmusikern auf eine Stufe ge— 
stellt werden.“ 
Es mag noch das Urtheil eines Engländers aus einem 
früheren Jahre (1884) über die Berliner Gesellschaft hier Platz 
finden. In derselben könne, sagt er, der nicht Deutsch sprechende 
Fremde leicht und mit Vergnügen verkehren, da die meisten gut 
erzogenen Berliner mindestens mit einer fremden Sprache vertraut 
seien, und da viele sowohl Französisch wie Englisch fließend 
sprächen und in ihrer Unterhaltung eine hervorragend gute 
Kenntniß der Englischen und Französischen Literatur an den Tag 
legten. Immerhin sei das Leben in Berlin nicht so vergnügungs— 
reich wie in Paris, hauptsächlich deshalb, weil jene in Paris so 
reich vertretene Klasse von reichen jungen Nichtsthuern, die nur 
ihre Zeit und ihr Geld auf der Jagd nach Vergnügen verzetteln, 
in Berlin kaum vertreten sei. Der reichste und hochgeborenste 
junge Deutsche, der versuchen wollte, in Berlin ein Leben zu 
führen, wie es jahrelang ein Französischer fils de famille 
straflos führe, würde schnell von allen achtungswerthen Leuten 
gemieden werden. Das Clubleben sei in Berlin noch sehr wenig 
entwickelt, in den vier größten, dem Verfasser bekannten Clubs: 
dem Casino, dem Unionelub, der Ressource und dem Berliner
	        
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