Pfad:
Der kaiserliche Hof

Volltext: Das vornehme Berlin / Robolsky, Hermann (Public Domain)

15 
unddreißigiährigen Gardelieutenant an die Spitze der königlichen 
Theater berief, und die erst seit dem alle Verhältnisse umkehrenden 
Jahre 1870 allmählig zum Schweigen kam, hat der Popularitäi 
Hülsens nichts geschadet. Er erkämpfte sie sich nach und nach 
und hielt sie darum um so sicherer fest. 
Es war eine Art rocher de bronce in gutem Sinne. 
Er glaubte an sich selbst und an seine guten Bestrebungen. Er 
wußte, daß er das Beste wollte, und er ließ sich durch keinerlei 
Angriffe in seinem Streben beirren. 
Was sich seinen Gegnern als Mißgriff darstellte, war 
oft nur eine Folge seiner Doppelstellung als Hofbeamter und 
Theaterleiter. Das diplomatische Geschick, mit welchem er sich 
in dieser Doppelstellung fünfunddreißig Jahre lang zu behaupten 
wußte, steht einzig da. Durch strenge Pflichterfüllung hat er sich 
das Vertrauen seines Königs und Herrn zu erwerben gewußt, 
und dieses Vertrauen war ihm der beste Schild gegen alle An— 
griffe, die er erdulden mußte, die er aber mit bewunderungs⸗ 
würdigem Gleichmuth ertrug. Er besaß die seltene Character— 
eigenschaft, niemals Böses mit Bösem zu vergelten, und wo es 
sich darum handelte, seine Machtbefugnisse in den Dienst wohl— 
thätiger Zwecke zu stellen, traten seine persönlichen Empfindungen 
zurück. Es gelang dem schneidigen Offizier, dem kalten Hof—⸗ 
beamten, sich das Vertrauen der deutschen Theaterdirektoren und 
Schauspieler im vollen Maße zu erwerben. Beide Parteien 
wußten, daß ihre Interessen nicht in unparteiischere Hände gelegt 
werden konnten, als in diejenigen des Herrn von Hülsen. Als 
Präsident des Kartellvereins der deutschen Bühnenvorstände und 
eines Unterstützungsvereins hat er sich unvergeßliche Verdienste 
erworben und mit dem besonderen Stande vereinigt das ganze 
preußische Volk den Ausdruck seiner Dankbarkeit für den Dahin— 
geschiedenen Präsidenten des „Königs-Wilhelms-Vereins“, der in
	        
Zum Seitenanfang
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.