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Die Militärpartei

Full text: Der Berliner Hof und seine Politik / Robolsky, Hermann (Public Domain)

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zu nennen. Wir werden von der englischen Moralistin ein— 
dringlich gemahnt, daß es verrucht sein würde, einen Krieg 
vom Zaune zu brechen und ein Nachbarvolk zu überfallen, 
blos weil es möglich sei, daß dies Nachbarvolk einmal in 
ungewisser Zukunft seine Waffen gegen uns richten könnte. 
Das ist perfide, weil der Satz an sich gonz wahr ist, auf 
unser Verhältniß zu Frankreich aber ninindesten paßt. 
Die Welt soll glauben, wir oder unsere Militär⸗ 
partei trage sich wirklich mit so frevelhenn Berechnungen 
gegenüber einem völlio harmlosen, unverdänugen Nachbarn. 
Deutschland so wir!. zu verstehen gegeben, ist der brutale 
Kerl, der ein 54d todt schlägt, weil es herangewachsen ihn 
vielleicht einwal ärgern könnte. Der für die Situation ent— 
scheidende Umstand wird unterdrückt; der Leser erfährt nicht 
das könnte ihn in seiner Entrüstung stören —, er er— 
fährt nicht, daß einerseits bis jetzt Deutschland nicht einen 
einzigen Act der Drohung, geschweige der Provokation ge— 
than hat, daß andererseits Frankreich mit athemloser Hast 
sich zum Angriffe wieder uns rüstet und daraus gar nicht ein— 
mal ein Geheimniß macht. 
„Das Einzige, was man der deutschen Regierung zum 
Vorwurf machen könnt— —x“ dies, daß sie sich nicht 
dummer stellt ale sie ist ert nicht eine Blindheit, 
die ihr fremd ist; sie J en, was sie von den 
französischen Rüstuncued sie verschweigt auch 
nicht, daß sie, wenn der fce agriffsplan der Reife 
naht, nicht gesonnen sei en und den Aufmarsch 
der französischen Invasionstruppen *5:warten, sondern daß 
sie dem Angriffe mit Gottes Hülfe zuvorkommen werde. 
Wer selbst nach Krieg dürstet, pflegt nicht so offenherzig zu
	        
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