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Fürst Bismarck

Full text: Der Berliner Hof und seine Politik / Robolsky, Hermann (Public Domain)

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schwer, daß er sich genötkigt sab im Schlosse zu Wiesbaden, 
wohin auch seine Familie sesleengz5 berufen wurde, einen 
mehrmonc! licher Auferhhoa voen. „Die Aerzte sagen“, 
so sprach der Kronprinz zu der Kronprinzessin, „meine 
Krankheit sei nicht ohne Gefahr; mein Vater ist alt und der 
Prinz Wilhelm noch minderjährig. Es wäre daher nicht 
unmöglich, daß Du eine zeitlang zur Regentin berufen 
würdest. Du mußt mir versprechen, nie etwas ohne den 
Fürsten Bismarck zu thun, dessen Rathschläge unserem 
Hause zu ungeahnter Größe und Macht verholfen haben.“ 
Diejenigen, welche aus der herzlichen Umarmung des Kaisers 
und des Kanzlers bei dem Wiedersehen auf dem Bahnhofe 
in Leipzig und nach den mancherlei anderen Kundgebungen, 
die seitdem erfolgt sind, noch nicht erkannt haben sollten, 
welcher Art die Beziehungen Kaiser Friedrichs zu dem 
Fürsten Bismarck sind, werden nach obiger Mittheilung 
nicht mehr im Zweifel darüber sein können, daß Kaiser 
Friedrich auf demselben Standpunkte gegenüber dem großen 
Kanzler steht, wie sein verstorbener Vater. 
Auch von deutsch⸗freisinniger Seite ist anerkannt worden, 
daß alle Parteien Grund haben zu wünschen, daß Fürst 
Bismarck auf seinem Posten verbleibt, oder richtiger ausge— 
drückt, sie haben Grund, sich darüber zu freuen, daß sein 
Verbleiben außer Zweifel steht. Sie hätten allen Grund, sagte die 
Voß'sche ihm in der imposantesten Form ein Vertrauensvotum aus⸗ 
zustellen, wenn nicht dieses Vertrauensvotum schon am 21. 
Februar im Reichstage erfolgt wäre, und zwar in einer Form, 
die ihren Eindruck auf Europa nicht verfehlt hat. Mit der 
Ertheilung eines solchen Vertrauensvotums vertrüge es sich 
aber sehr schlecht, wenn auch nur in der verborgensten Falte
	        
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