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Berlin vor hundert Jahren

Full text: Auf märkischer Erde / Trinius, August (Public Domain)

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Schriftsteller bewandert waren Alle mühsamen Er— 
rungenschaften gingen aber wieder während der tollen 
Akademiejahre verloren, indem di damals herrschenden 
exemplarischen Strafen, strengen Perschriften, Einkerke— 
rungen, Entziehung der Mehenaaeittel, gerade das 
Gegentheil bei der wild s— 5 —nenden Jugend her— 
beiführten. Dazu kam noce ergezeder körperlichen 
Leibesübung; ebenso ward Musik und Zeichnen voll— 
ständig vernachlässigt. Die Friedrich-Werdersche Schule, 
unter der Leitun- des Rektors Gedicke, gab ebenfalls 
Hoffnung, sich 1.* der Zeit über die Pildungsstufe der 
anderen zu erheben. 
Die Ritter-Akademie (l'Ecole litaire) war von 
Friedrich dem Großen gestiftet worden. Nur fünfzehn 
junge Leute befanden sich darin, welche auf Kosten des 
Königs erzogen, gekleidet und unterhalten wurden. Sie 
besaßen ihre Gouverneure, empfingen in allen Fächern 
der Wissenschaft wie freien Künste forgfältigsten Unter— 
richt, ebenso ward Musik, Reiten, Tanzen, Fechten tüchtig 
getrieben. Dennoch war alles zu sehr nach französischem 
Ton gestimmt, und man vergaß leider immer dabei, daß 
es Deutsche waren, welche in Deutschland ihren Unter— 
richt empfingen, unter Deutschen lebten und einmal einem 
deutschen Könige dienen sollten. Während sie die fran— 
zösische Sprache frühzeitig beherrschen lernten, blieben sie 
zeitlebens Idioten in der eigenen Muttersprache und 
wandten der heimischen Litteratur von vorn herein den 
Rücken zu. Immerhin war es noch besser um diese 
Edelleute bestellt, als um die adeligen Kadetten, deren 
Ausbildung in den rohesten Anfängen stecken blieb. 
Unsere sogenannten Gemeindeschulen. welche heute wohl
	        
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