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Berlin vor hundert Jahren

Full text: Auf märkischer Erde / Trinius, August (Public Domain)

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So vie' Sätze, so viel Kühnheiten Dennoch muß 
man manchen Ansichten unbedingten Beifall zollen. Die 
Römerinnen haben es sich sicherlich gefallen lassen, gesetz⸗ 
lich bei jddem Mondwechse! ihre Ga—?n zu wechseln. 
Aber die Damen Berlin? »WB.“e' Leibe nicht. 
Sie hätten sicherlich dem en Herrn Montesquieu 
die Augen ausgekratzz We 50 denn sonst der Reiz, 
wenn jeder Wechse' fortan seine gesetzliche Sanktion 
empfinge? Ja, die Frauen! Unseren „Kosmopoliten 
aus der Müste“ faßt der Menschheit ganzer Jammer an, 
gedenkt er des schönen Geschlechts. Er schaudert förmlich 
zusammen und, um in seiner aftgenialischen Weise zu 
reden, „seine Haare bene 
„War es nicht ein Web, ruft er aus, die den ersten 
falschen Wurf in die Schöpfung that, daran Jahrhunderte 
geblutet haben? Ja, nenu mir ihr Schmeichler und 
Gecken, die ihr sie zu Enget— wischeffe!, nennt mir ein 
Laster, ein Verbrechen, dezu Le Weä nicht fähig wäre? 
Ihre Rache kennt ketne Ereneen und um ihre unmäßige 
Eitelkeit zu befried:—f sic alles auf, bewaffnet 
sich mit Dolch un Aie Let hinterrücks. Verachte 
ihre Liebe, ihr“ * und sie ist eine Furie, 
eine rasende Mab das ganze männliche 
Geschlecht ein Ser⸗ 
In der That es war eine Zeit voller Räthsel und 
Widersprüche; sentimental und verbuhlt, bigott und zucht— 
los. Dieselben geputzten und parfümirten Dämchen und 
Herrchen, welche allen Gesetzen der Sitte und des An— 
standes ein Schnippchen schlugen, sie weinten die heißesten 
Thränchen über Werthers Leiden; seufzten elegisch unter 
berschnittenen Taxushecken: dichteten und malten mit
	        
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