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Ein Abschiedswort der Mark Brandenburg

Full text: Auf märkischer Erde / Trinius, August (Public Domain)

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Hügel auf und ab geht's nun durch einsame Wal— 
dungen. Nun einen steilen Wall hinan, und ein Bild 
breitet sich in der Tiefe aus, das immer, sei es im 
Sonnenschein oder fröstelnden Herbstwetter wie heute, 
seine tiefe WMirkung üben muß. Zur Rechten ruht der 
Lehnitz-See dahinter der Krampnitz-See, während zur 
Linken der Jungfern-See herauflickt. Vor uns aber 
baut sich Nedlitz mit seiner mittelalterlichen Zugbrücke 
auf, hinter welcher der kahle Fahrland-See sichtbar 
wird, an dessen Ufer einst die Wiege des märkischen 
Kleinpoeten Schmidt von Werneuchen stand. Läutend 
und mächtige Rauchwolken speiend, kommt ein Schlepp— 
dampfer in Gefolgschaft einer stattlichen Flottille von 
Lastkähnen den Jungfern-See herab und wendet sich 
nun im weiten Bogen der Zugbrücke zu, deren Mittel— 
theile jetzt flügelartig in die Luft steigen. Es ist die 
Römerschanze, auf der wir stehen, uralter wendischer 
Waffenplatz und Begräbnißstätte. Von Menschenhand 
sind drei Seiten der Umwallung hergestellt, die vierte 
fällt an sechzig Fuß steil zum Ufer hinab. Hier war es, 
wo die von Brandenburg entflohenen Wenden sich zum 
letzten Male verschanzten, bis das Christenheer der Deut— 
schen über Nacht eine Brücke schlug und die Wenden 
zwang, sich flüchtend über den schmalen Landrücken 
zwischen Sakrower und Glienicker See zurückzuziehen, bis 
dann am rechten Havelufer bei Gatow die vernichtende 
Entscheidungsschlacht folgte. 
In der Mitte der Schanze, zur Deckung und Lage— 
rung bestimmt, befindet sich eine weite Senkung, um 
welche kranzförmig ein erhöhter Gang läuft. Ich um— 
wandelte denselben noch einmal, der wechselnden Wald— 
und Wasserbilder mich zu freuen, und stieg dann jenseits
	        
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