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Dem Himmel näher

Full text: Auf märkischer Erde / Trinius, August (Public Domain)

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Stolz und Dankbarkeit an —— 
dann —“ Sie kam nicht weiter. 
„Fräulein Eis soll spielen — bitte, bitte!“ so 
klang es durcheinander. 
Und Fräuln Else erhob sich und hüpfte unbefangen 
an das Klavier melches ihr Nachbar inzwischen galant 
geöffnet hatte Sie setzte sich nieder, warf den Kopf 
halb zurück und fragte mit kecker Laune die zum Bewun— 
dern sich anschickende Gesellschaft: 
„Was darf es sein?“ 
„Etwas Zeitgemäßes, liebe Tochter“, antwortete 
der Konsul mit Würde und faltete die Hände über 
den Leib. 
„Stille Nacht, heilige Nacht?“ Alles lachte. „Die 
Töchter vom Rechnungsrath über uns pauken es seit vier 
Wochen. Muß ein t'mmungsvoller Abend heut gewesen 
sein!“ Ueber ihr hübsches Gesicht zuckte es wie Spott 
und Verachtung. Dann senkten sich die zierlichen Finger 
auf die Tasten nieder und wie eine Herausforderung 
perlten jetzt die frischen, frechen Weisen der neuesten 
Operette unter ihren Händen hervor, immer neue Bei— 
fallssalven der Gäste weckend, bis endlich die ganze Ge— 
sellschaft singend, trällernd, johlend einfiel, während der 
Konsul bewegt den Takt mit dem Champagnerbrecher 
dazu schlug. Solch' einen lustigen Abend hatte dies 
Haus wohl lange nicht gesehen. Mochten doch die anderen 
Hausbewohner murren und unwillig die Köpfe schütteln. 
Dafür war er Hauswirth und Konsul obendrein. 
Als eben wieder ein Spottvers abgesungen war, 
that es in dem Prunkzimmer nebenan einen leichten 
Schlag auf den Teppich.
	        
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