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Winterlandschaft bei Berlin

Full text: Auf märkischer Erde / Trinius, August (Public Domain)

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hier, bald dorthin in überquellender Lebenslust stürmend, 
während das *4c10 seine Kreise um die schöne Gruppe 
schlägt und ?25 ö“rllend mit dem Schwänzchen den 
Schnee peitsse“ r Litken im Grunde des Parade— 
feldes lagert düster hingçestreckt, mit duftumschleierten, 
breitausladenden Kieternkronen, die Hasenhaide, an deren 
Südrande vor zwei Zchrzehnten Berlins Pferderennen 
stattfanden, um mehr als eince Nasenlange populärer als 
diejenigen heute von Hoppeger“n und Charlottenburg. 
Auch die originelle, ehrwürdig Pappelallee, welche ehe— 
mals vom Tempelhofer Ber- 51304 Dorfe Tempelhof 
leitete, ist der Axt verfallen Viellce unseren Enkeln 
wird es verstattet sein, im Schat'en der neuen An— 
pflanzungen wieder nach Tempelhe Sonntags rollen zu 
können. Tempelhof, so scheint es, ist trotz der Pferde— 
bahnverbindung etwas außer Kurs gekommen. Ich 
kenne steuerzchlende und auch sonst ehrbare Bürger, 
welche merklic heschämt die Augen niederschlagen und 
wie um Entse igung halb stammeln, daß sie an einem 
Wochentagnac,n“»a in Tempelhof eine Tasse Kaffee 
tranken. Ald müßte es nun einmal Wannsee oder 
Hundekehle sein! Und doch stand früher Tempelhof für 
einen ansehnlichen Bruchtheil der Berliner Bevölkerung 
hoch über pari, als noch der selige Künstler Linde mit 
seinen Puppen und Marionetten bei Kreideweiß die 
Bretter, die die Welt bedeuten, aufgeschlagen hatte, als 
man noch Gänse und Ferkel in Tempelhof mit Kegeln 
ausschob, Kuhmilch zapfte, Kaffee kochte und den Sonnen— 
untergang mit einer gediegenen, deutschen Prügelei an— 
dächtig feierte. Einfache, schlichte Sitten unserer Väter, 
ihr kehrt nie wieder!
	        
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