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Winterlandschaft bei Berlin

Full text: Auf märkischer Erde / Trinius, August (Public Domain)

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Weihnachtsmesse überasf! Von den Prachthallen 
unserer Weltgeschztte bis zu dem niedrigsten Kellerladen 
der Vorstadt wo NMaoagenfce!. den Nachbar bildet 
und eine Petrolenratarnitrakßze und Kellerfenster zu— 
gleich melanchs ert überall das gleiche 
Streben, das Beste un“ Schönste den Vorübereilenden 
als Lockfutter hinzustreuen. Jeder Hausflur fast wird 
in ein fliegendes Handelsmagazin gewandelt; längs den 
Häuserzeilen grünen Tannen und Fichten scheinbar aus 
dem Boden, und arme Kinder hüpfen in der Winterkälte 
von einem Bein auf das andere und preisen die Gelenkig— 
keit ihrer Hampelmänner und den Baß ihrer Waldteufel 
halb übermüthig, halb flehentlich an. Wer in diesen 
Tagen durch die Straßen hasten wollte, ohne eines jener 
geheimnißvollen Packete oder Päckchen unterm Arm zu 
tragen, würde sich wie ausgestoßen vorkommen. Erst 
mit dem letzten Hausflur der Vorstadt verschwindet auch 
das letzte Bündelchen verhüllter, armseliger Liebesgaben. 
Berlin liegt hinter uns mit seinem brausenden, nimmer 
ruhenden Getriebe einer Weltstadt; die Ruhe des 
weiten, stillen Landes umfängt uns, ob im Schneege— 
wande wie heute oder als großes, grünes Roggen- und 
Kartoffelfeld, immer eintönig und unmalerisch in seiner 
Gesammterscheinung. Aber mit welchem innigen Froh— 
behagen trinkt die Brust jeden frischwinterlichen Luft— 
strom ein, mit welcher stillen Lust, befreit von der Enge 
des Zimmers, weilt das suchende Auge auf den kleinsten 
Dingen: der Ackerfurche, durch welche ein Hase vor 
einem Sonntagsjäger Defilircour lief, der wippenden 
Haubenlerche, welche vor uns her trippelt! Wie unschein— 
bar alles gegenüber der Fluth von Bildern, denen wir
	        
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