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Die Esels-Demonstration von der einsamen Pappel. 1848

Full text: Berlin wie es lacht und lachte / Reich, Adolph (Public Domain)

* 
„Ministerken, juchhedewig, 
Nach Brandenburg, da jeh'n wir nich; 
Kratz' du mit deine Rechte aus, 
Die Linke bleibt in's Schauspielhaus!“ 
Lauschen wir nun ein Wenig an den Gruppen uniher. 
Zwei Ehepaare aus dem Stande der kleinen Gewerbe— 
—I 
Nanu, Frau Rennebart, Sie ooch hier?“ 
„Wat soll ick machen, Frau Püsicke? mein Oller hat 
mir herjeschleppt, damit ick ihm als Redner bewund're.“ 
„Nu schmort mir aber 'n Storch;“ fiel Herr Püsicke 
voll Erstaunen ein „wat, Rennebart, Du willst öffentlich 'ne 
Rede reden?“ 
„Dadrüber brauchst Du Stiesel Dir nich' zu wundern;“ er— 
widerte der Betreffende „der achtzeßntigste März hat uns 
alle mündig jemacht; und ick fühle iir! Ick halte es mit die 
Franzosen, und mein Wahlspruch is: Liberté!“ 
„Mein Wahlspruch is: lieber Schnapps!“ 
„Kerl, Du bist polizeiwidrig dumm. Liberté bedeutet so 
ville wie Pjalité, wodrunter nämlich der Franzose Paternité 
versteht.“ 
„Na, hören Sie, Rennebart'n,“ warf Frau Püsicke ein, 
„Ihr Oller jrabbelt aber eklig mang die Fremdwörter 'rum.“ 
„Er behilft sich mit Fremdwörter, weil er keen Deutsch 
nich' versteht;“ erklärte Püsicke. 
„Na, ick drücke mir zuweilen ooch pantomimis ch aus,“ 
rief der Gereizte, mit der flachen Hand ausholend „und dividire 
mit die Fünf in die Zehne!“ (Zähne.) 
„Und ick schreibe jrade ooch keene schlehhte Handschrift,“ 
replizirte der Andere, gleichfalls zum Schlage ausholend. 
Doch die Frauen stifteten Frieden, und die Männer schüt— 
telten sich die Hände, indem sie lachend riefen: „Na, Spaß muß 
sind!“
	        
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