Path:
Aus den Memoiren eines Dienstmannes

Full text: Berlin wie es lacht und lachte / Reich, Adolph (Public Domain)

—10 
„Stiesel!“ ergänzte ich, absichtlich diesen knotigen Ausdruck 
für meine eigene Bestrafung wählend, „verzeihen Sie, Kind, daß 
ich mich vergessen habe; —“ 
„Schon gut“, sprach sie barsch, den ihr entfallenen Federbesen 
von der Erde auflangend. 
Kein Wunder, daß ich auch meinen Auftrag vergaß; —“ 
und ich hob das unglückliche mir gleichfalls entfallene Bouquet auf. 
„Geben sie her;“ sprach sie. 
Kann ich es nicht der Dame selber überreichen?“ 
„Nein; das Fräulein empfängt keine Bouquets aus den 
Händen eines Dienstman26. 
Das Fräulet tragt also ihre schöne Nase sehr hoch?“ 
„Wie hoch mei Irdulein ihre Nase trägt, das geht Ihn 
Nichts an, versteht Er“ Und jetzt gebe er das Dings da her, 
ich will's dem Fräulein hineintragen. Wer schickt die Blumen?“ 
„Ein Herr — ein piekfeiner Herr — prachtvolle Zähne 
Mann in den besten Jahren — angenehme Erscheinung — 
nobler Charakter — gab mir —“ 
Das Mädchen lachte wiederum auf. „Wie viel gab er 
Ihnen für diese Lobrede auf seine schöne Person?“ 
„Zehn Markz; es ist mir unmöglich, Ihnen gegenüber 
Etwas zu verheimlichen.“ 
Das Mädchen lachte wiederum. 
„O, wir kennen den Ritter von der traurigen Gestalt, der 
täglich die Fensterparade macht, sehr wohl.“ 
Und sie hüpfte mit dem Bouguette aus dem Zimmer. 
Da stand ich nun mit den allerschärfsten Gewissensbissen. 
Ich hatte mich meines Auftrages nicht, wie es einem biederen 
Dienstmanne ziemt, mit feierlicher Würde und kluger Umsicht ent⸗ 
ledigt, sondern durch alberne Schäkerei mit der Zofe, und durch 
gewissenlose Schwatzhaftigkeit, Auftrag und Auftraggeber ge— 
schädigt. Ich schwur, in Zukunft mein Auge ausschließlich auf 
meine Pflicht und mein Trinkgeld zu richten, und niemals 
uns
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.