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Ein Stündchen im Redaktions-Zimmer

Full text: Berlin wie es lacht und lachte / Reich, Adolph (Public Domain)

Ein Stündchen im Redaktions-Simmer. 
Ich besitze, unter andern Liebenswürdigkeiten, auch diejenige, 
Leute an den Stätten ihrer Berufsthätigkeit aufzusuchen, und sie 
in ihrer Thätigkeit zu stören. 
Ich bin daher der Schrecken der Maler, Bildhauer, Musiker, 
und der gesammten Künstlersippe. Wunderliche Käuze diese! 
Da verlangen sie mit honiçsüßen Worten, man solle ihnen „recht 
offen und ehrlich“ seine 5 ing über das Bild, die Marmor— 
gruppe, oder die Symphoni sagen Und sagt man ihnen offen— 
herzig, das Bild sei eine Cudele, die Gruppe erinnere an die 
Renz'schen Clows, und die Tondichtung klinge wie das, was 
man in Berlin „eine Mauceiche“*) nenne, dann antworten sie 
pikirt: „Verehrter Herr, Sie sind ein Laie!“ in mein Deutsch 
übersetzt: „Verehrter Herr, Sie sind ein Esel!“ 
Ich beschloß daher, diesem undankbaren Völkchen den Rücken 
zu kehren, und meine eben so angenehme wie belehrende Gesell— 
schaft fortan nur derjenigen Menschenklasse zu weihen, deren 
x*Vermuthlich eine Anspielung auf einen bei der Beerdigung 
eines Maurers geplärrten Choral.
	        
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