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Full text: Urkundliche Nachrichten zur Geschichte der Garnison und Garnisongemeinde in Spandau / Schall, Martin (Public Domain)

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Den 2. November 1769 an einem Donnerstage 
Morgens zwischen 6 und 7 Uhr erscholl ein Gerücht in 
der Stadt, daß der hiesige Bürger, e und Böttcher⸗ 
Meister Seeburg nebst seiner Frau und einzigem Kinde, 
einem Söhnchen von erst 3 Jahren, in der Nacht er— 
mordet worden. Dies wurde mehr als zu wahr be— 
funden: Denn da die beiden Maͤgde, welche in einer 
Kammer auf dem Flur vorne nach der Straße, die 
Herrschaft aber in einer Stube hinter der großen, ge— 
schlafen, sich gewundert, daß noch Niemand aufgestanden, 
sind sie endlich mit einem Licht in die Schlafstube ge— 
gangen und haben sogleich die Frau, welche sallein neben 
der Thür geschlafen, in der Mitte des Bettes, quer über 
liegend, ermordet gefunden, so auch den Mann in seinem 
Bette am Fenster, das Mordbeil aber vor dessen Bett 
auf der Erde liegend. Diese liefen dann mit großem 
Geschrei und Heulen zu den Verwandten der Frau 
(denn der Mann hatte hier nicht nahe Freunde), als 
zu dem Brauer Hrn. Ewald, ihrem Bruder und zu der 
Schwester, des Schmied Niethe Frau. Der Bürger— 
meister Reinicke, der gleich gegenüber wohnte, war einer 
der ersten, der dies traurige Spektakel gesehen und auch 
die Nachbarin, die Maurermeisterwittwe Lehmann. Diese 
fand an dem Kinde, das bei der Mutter gelegen, und 
sich fest an ihr gehalten, noch einiges Leben und trug 
es in ihr Haus, wo der daselbst wohnende Regiments— 
Feldscheer Herr Fiaut nebst dem Stadtchirurgen Herrn 
Matthesen, es gleich besichtigt und gefunden, daß ihm 
der Hirnschädel entzwei geschlagen und ein Strumpf in 
den Mund gesteckt gewesen. Sie ließen zwar dem Kinde 
warme Umschläge machen, es kam aber nicht wieder zu 
sich selbst, lag auch in beständigem Jammern und hatte 
die Zähne fest zu, daß ihm nichts beigebracht werden 
konnte, bis es Nachmittags gegen 2 Uhr auch verschied. 
Der Consul dirigens ließ gleich eine Bürgerwache in 
das Haus setzen und der Commandeur eine Wache vor 
dem Hause, um den Zulauf abzuhalten. Denn die 
Spinden in der Schlafstube fand man geöffnet. Nach— 
mittags 3 Uhr wurden die todten Körper vom Stadt— 
physiko und Chirurgo besichtigt und gefunden, daß der 
Mann, der im Bette gerade gelegen, elf tödtliche Wunden
	        
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