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Full text: Urkundliche Nachrichten zur Geschichte der Garnison und Garnisongemeinde in Spandau / Schall, Martin (Public Domain)

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mal wegen Mangel der Garnison die Nahrung auch 
abgenommen hatte. — Den 22. April 1745 am Donners⸗ 
tage nach Ostern marschierten die vorher ewähnten 
4 Compagnien von hier ab. Viele derselben hatten ge⸗ 
drohet, die Stadt in Brand zu stecken, daher sowohl 
einige Soldaten-, als auch Bürger-Patrouillen die Nacht 
umhergehen und die Bürger Waffen bereit halten mußten. 
In einigen Häusern hatten sie auch wirklich Feuer an—⸗ 
gelegt, doch war es durch göttliche Abwendung zu 
keinem Ausbruch gekommen. Da viele dieser Leute 
vorher des Nachts eingebrochen waren, so hatten die 
Bürger schon einige Zeit hindurch des Nachts patrouilliren 
müssen. Den 8. August 1745 Abends erhielt der Com— 
mandant hierselbst Ordre, Alles in guten Defensions- 
Stand zu setzen. Dies wurde gar bald unter den Ein— 
wohnern bekannt und verursachte großen Schrecken. Es 
wurde auch nach und nach den Bürgern Gewehr, Pul⸗ 
ver und Blei ausgetheilt, sie auch einigemal im Schießen 
geübt und einem jeden Viertel ihr Posten auf dem Wall 
angewiesen. An den Thoren wurden einige neue Thürme 
und Pallisaden gesetzt, die Kanonen auf den Wällen 
geladen und Piquets von den Bürgern dabei gestellt. 
In Berlin und Potsdam geschah desgleichen. Nachdem 
auch noch die Churmärkische Kammer durch den Kriegs⸗ 
rath von Maconnai unterm 20. August den Städten 
seines Distrikts, also auch Spandau befohlen hatte, bei 
jetzt möglicher Invasion gewisse Vertheidigungs-Anstalten 
zu machen und davon ihm zu berichten, so meldete ihm 
der Rath den 28. ejusd, er habe auf der Stadt Grund 
und Boden zwei Pechstangen an erhabenen Oertern 
gesetzt, als eine bei dem Weinmeister am Potsdamschen 
Wege, die andre vor dem Dorfe Staken, bei deren jeg⸗ 
licher zwei Mann fleißig Wacht halten müßten. In 
der Siadt seien die Thore ordentlich mit Wachen besetzt 
und des Nachts gehen die Patrouillen. Bei jeder Bat⸗ 
terie auf dem Walle halten zwei Mann Wache, und 
jetzt solle über dem Stresow bei der Schlangenbrücke 
eine Batterie gemacht werden. Die Eintheilung der 
Bürgerschaft sei so gemacht, daß 4 Capitains, jeder 60 
Maunn, also 240 Maͤnn haben; im Nothfall werden auf 
der Festung, wenn was vorgehe, noch 100 Mann dazu
	        
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