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Volltext: Urkundliche Nachrichten zur Geschichte der Garnison und Garnisongemeinde in Spandau / Schall, Martin (Public Domain)

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tragen, welcher gleich beim Einmarsch dieser Compagnieen, 
ihnen in Servis zu dienen, übernommen hatte. Herr 
Gedicke ersuchte das hiesige Ministerium um Beistand, 
da dann die beiden Diaconi, ohngeachtet der Weih— 
nachtsfeiertage, diesen Delinquenten täglich besuchten. 
Ersterer und Herr Freyer begleiteten ihn nachher zum 
Tode. 
(1745.) Nachdem im Herbst vorigen Jahres vier 
Compagnien des Dossowschen und Kröcherschen Re— 
giments aus Geldern und Wesel hier zur Garnison ein⸗ 
gelegt waren, hatten diese, als neugeworbene Leute, 
denen noch dazu anfänglich die nöthige Disciplin fehlte, 
großen Unfug durch Gewaltthätigkeiten, Stehlen, nächt⸗ 
liches Einbrechen verübt, welchem jedoch einiger Einhalt 
geschehen war, als der Oberst von Schulze von der 
Garde aus Potsdam wöchentlich 3 Tage hergekommen 
war und sie in beste Ordnung gebracht hatte. Kaum 
mußte er aber im Anfange dieses Jahres auf Werbung 
gehen, so ging auch die Unordnung von Neuem an. 
Kurz vor Ostern mißhandelte gar der Hauptmann von 
Hagen, Dossowschen Regiments, den hiesigen regierenden 
Bürgermeister. Er war mit selbigem vorher in Wort—⸗ 
wechsel gerathen und meinte von ihm beleidigt zu sein. 
Als nun der Hofrath Lindner vom Rathhause kam, 
überfiel er ihn mit Schlägen in Gegenwart vieler Offi— 
ziere und der Wacht. 
Es ward sogleich an den Gouverneur, Herzog von 
Holstein, nach Berlin berichtet, welcher zwar den Offizier 
einige Tage in die Wache setzen ließ, weiter ist aber 
auch nichts erfolgt. In der Marter- und Osterwoche 
dieses Jahres 1745 mußten die Einwohner der Stadt 
von den Durchmärschen einiger Regimenter Cavallerie 
und Infanterie, welche zur Cantonnirung ins Magde— 
burgische marschirten, viel ausstehen. Sogar nach dem 
Ausmarsch der Garnison bekam die Bürgerschaft eine 
neue Last zu tragen, indem sie, außer den Thoren, auch 
die Festung und die Pulpvermagazine besetzen mußten, 
welches Letztere noch niemals geschehen war. Ein Bürger 
kam fast um den zweiten oder dritten Tag auf die 
Wache, oder mußte einen andern mit 3 oder 4 Gr. für 
sich halten, welches die Bürger gar sehr beschwerte, zu—
	        
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