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Erster Band Von den hiesigen Feld- und Regiments-Predigern

Full text: Urkundliche Nachrichten zur Geschichte der Garnison und Garnisongemeinde in Spandau / Schall, Martin (Public Domain)

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haus aus einem uralten, vornehmen deutschen Hause, 
bon welchem auch noch in Lilienthals Thaler-Cabinet 
ein rarer Thaler vorkömmt; und dessen Ehepakten, nach 
welchen der Braut 15 000 Thaler vermacht wurden, im 
Lübbenauer archiy noch vorhanden sind. Der hiesige 
Rath schenkle ihm zur Hochzeit einen Becher für 42 Thlr. 
2 gr. (p. 726). 
In diesem Jahre war der Lärm hier wegen Be— 
sessener. Acht und dreißig Personen, jung und alt, 
waren hier, denen Engel erschienen sein sollten, die sie 
zur Buße ermahnt hätten oder denen der Teufel allerlei 
Sachen sollte ausgestreut haben, z. B. Geld, Leinewand, 
Kränze, Ringe, Garn, Zwirnknäuel, die sie aufgenommen 
hätten und davon besessen worden wären. Ein Bürger 
und Grobschmied, Andreas Reiche, der schon drei Wochen 
vorher einige Tage vom Teufel leiblich geplagt, aber 
hernach wieder erledigt worden sein sollte, gab zuerst 
vor: Daß ihm am 4. November auf dem Wege von 
Spandau nach Neuendorf in der Papenlake, während 
seinem Gebet, ein Engel erschienen sei, der ihm nach 
einigen Gesprächen befohlen, dem Grafen anzuzeigen, 
daß man in dem in der Kirche angefangenen Gebet 
fortfahren und Buße thun sollte, so würden die Ange— 
fochtenen binnen 14 Tagen erlöst werden, sonst aber 
binnen 4 Wochen eine große Finsterniß über Spandau 
kommen. 
Eben der Engel sei ihm am 22. auf seinem Wege 
von Spandau nach Rohrbeck begegnet und habe ihn ge— 
fragt: ob und wie er seinen Befehl ausgerichtet, auch 
ihm aufgegeben, der Gräfin und ihren Räthen zu be— 
richten, daß sie bei den Geistlichen anhalten sollten, daß 
die im Gebet nicht müde würden; auch solle der Rath 
Leute bei den Besessenen in der Kirche, wenn sie ange— 
fochten würden, halten. Einem Hütegesellen von 24 
Jahren, Gabriel Kummer, aus Lübschütz im Herzogthum 
Jägerndorf gebürtig, der hier gearbeitet und seinem 
Meister wegen seines Fleißes und seiner Frömmigkeit 
besonders lieb gewesen, sollte gleichfalls, nachdem er 
einige Wochen vom Teufel hart geplagt, hernach be— 
freiet worden und in seine Heimath, seine Eltern zu 
besuchen, sich aufgemacht, unterwegens und nachher
	        
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