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Geschichtliche Entwicklung des Dorfes

Full text: Geschichte Neuendorfs / Backschat, Friedrich (Public Domain)

Bewohner wegen des sandigen und schlechten Bodens befreit. Die 
Neuendorfer waren ferner verpflichtet, die gefangenen größeren Fische 
und Krebse, an denen die Nuthe reich war, entweder in offenen 
Wannen bei dem Schlosse zu Potsdam auf dem Markt oder im 
Kahn auf dem Wasser zum Kauf zu bringen, und zwar alle Sonn— 
tage um 2 Uhr, da sie der Hofedienstes wegen in der Woche keine 
Feit hatten. Es sollte dadurch hauptsächlich verhütet werden, daß 
die Fische von fremden Kiepenträgern« nach Berlin gebracht würden 
und so in der Stadt Mangel an »Speisefischen entstände. Besondere 
Pflichten lagen noch den Kossäten ob. Sie mußten die Wiese auf 
der Neuendorfischen Gemarkung, uffem Habelbruche- genannt, 
mähen, wofür sie den Tag über 3 »keulichen? Brot, GKäse, Kohl 
mit Speck, Fleisch, auch Fische und 2 Käse und Speisebier erhielten. 
Die Heuer; bekamen pro Mann 2 keulichen Brot, 1 Käse, gekochte 
Fische und Covent. Außerdem mußten sie nebst den Kossäten von 
Gütergotz und Stolpe das Winter- und Sommergetreide mähen. 
Das gefallene oder abgestandene Vieh holte der Scharfrichter zu 
Potsdam. Für diese Berechtigung lieferte er jährlich dem Dorfe 
ein Paar Handschuhe. 
Alle eröffneten Lehen fielen an den Kurfürsten zurück. Ihm ge— 
bührte auch die gabella hereditaria, d. h. er nahm einen bestimmten 
Abschoß von dem Nachlaß eines im Inlande ohne Hinterlassung 
inländischer Erben verstorbenen Ausländers, der an die Intestaterben 
ins Ausland ausgeliefert werden mußte, und zwar 4 märkische Groschen 
von jedem Schock. Das judicum supremum et infimum, der de— 
tractus personalis, gabella émigrationis, die dem Rurfürsten als 
Landesherrn zustanden, sind schon beim Jahre 1575 bezw. 1440 er— 
läutert. Die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit lag in den 
Händen eines erblichen Lehnschulzen. Aus dem XVI. Jahr— 
hundert datieren mehrere Aktenstücke, in denen die Neuendorfer 
zum ersten Mal auf ihre Privilegien v. J. 1422 und 15322 
hinweisen. Sie betreffen eine Klage der Gemeinde gegen Joachim 
von Schlabberndorf. Er störte ihre Hütung, Röhrungen und Grenzen, 
drohte die Neuendorfer sogar totzuschießen und zu schlagen, ohne 
dabei die Warnungen des Potsdamer Amtsschreibers und den Befehl 
des Candesherrn zu beachten. Am 9. Mai 1582 überreichten nun 
die Neuendorfer persönlich dem Kurfürsten Johann Georg in Pots 
dam die Rlageschrift. Der Kurfürst beauftragte mit der kom— 
missarischen Untersuchung den Amtsschreiber Kaspar Meinow, Ober 
Holz⸗Förster Joachim v. Vewerdt und Amtsschreiber Briktius Schmidt. 
Am 21. März 1591 statteten diese Bericht ab und baten gleichzeitig,
	        
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