Path:
Text

Full text: Meine Erlebnisse im Jahre 1848 und die Stellung des Staatsministers von Bodelschwingh vor und an dem 18. März 1848 / Diest, Gustav von (Public Domain)

4 - 
(damalz Reinierjhes Haus, jet Gausminijtierium) in Der 
Wilhelmitrake, an der er eben vorbeigeritten, eine Anfprache des 
Königs „An meine Keben Berliner“ unter das Publikum ver- 
theilt merde. Ih war tiefihmerzlich beivegt, als ich Diele 
Aniprade 1a8, ging damit fofort zu Onkel Bodelihmwingh 
und Äagte ihm meinen Schmerz iiber diefe verfehlte Makregel. 
Onkel Bodelidhmwingh fheilte mir mit, daß er mit Hülfe des 
OberhofbuchbdruckereibefigerS Deder jelbit den Drug diejer 
unfeligen Proflamation auf Befehl des Königs habe vor- 
nehmen müffen und, als ich ihn lebhaft eintvarf: „Das Hätte 
ih an Deiner Stelle nicht gethan!” gab er mir die Frage Zur 
Antmort: „WaZ mwilljt Du thun, wenn Dein König Dir aus» 
drückliche Befehle giebt?“ Am felbigen Tage fahH ich in der 
Breiten Straße nur die Neberfdhrift „An meine lieben Ber: 
liner“ dicht über eine Kugel geklebt, die in der Nacht in das 
Golz eines Brunnens eingejhlagen war. So Hünıijh war der 
Berliner Pöbel! 
Kaum aber trauten wir unjeren Mugen, als wir im 
weiteren Verlauf des Tages ein Regiment nach deut andern 
au8 den Thoren Berlin8 hHerausmarjhiren und die Ent- 
laffung der bisherigen Minifter auf einen: Anichlage an 
den Strakeneden verfündigt Jahen. Noch traf ih an jenem 
Vormittag den damaligen Mlajor v. Hyalkfenijtein, Xomman- 
deur des Garde-Schüßen-Bataillons, der an der Ede der tech: 
bahn, dicht am Königlidhen Schloß, zu Pferde hielt und feinen 
Ingrimm über den Abmar]ch der Truppen mir gegenüber mif 
(auten Worten Ausdruck gab. Er blutete an der Hand, die 
er mit einem Schnupituch ummwunden Hatte, und ich lief noch 
in die Konditorei von ZJoftt, um ihHın einen Kalten Umfdhlag 
hHerauszubringen. Al id beim Dunkelwverden wieder in das 
Miniiterium des Innern fanı, fand ih Onkel Bodel] Omingh 
in tiefem Ernit, aber in großer Seelenftärke vor. Die Seinigen
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.