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Salomon Maimon in Berlin

Full text: Aus Berlins Vergangenheit / Fischer, Leopold Hermann (Public Domain)

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bald in das Wejen der Kabbala eingedrungen ijt. Sie erfdqheint 
ihm nach) Abzug der phantaftijdhen Einfleidung al? ein pan- 
theiftijdhes Syftem von der Art des Spinoza. Sogar ein Kom- 
mentar über die Kabbala wurde damals von ihm verfaßt. Um 
deutjche Bücher zu erhalten, macht er fidh mitten im Winter zu 
Fuß auf den Weg nach einer benachbarten Stadt und geht zu 
dem dafelbjt wohnhHaften YDberrabbiner, der ihm unter anderen 
Sturms Phyfik giebt. So ift er unter den traurigjten perfünz 
lien Verhältnijjen unabläjfig bemüht, feinen Wifjensdurft zu 
ftillen. Da dies aber in feiner Heimat auf die Dauer nur in 
unzureidhender Weije gejhehen Kann, fo befchließt er, nach 
Deutjchland zu wandern, um Medizin zu ftudieren und Arzt 
zu werden. Er geht zuerft nad) Königsberg, von dort zu 
Schiffe auf einer fünfwöchentliden Seereije unter den größten 
Entbehrungen nach Stettin und von hier bettelt er fih, da fein 
leßter Sparpfennig aufgezehrt ift, nach Berlin durch. Hören 
wir num jeinen eigenen Bericht: „Endlich erreichte ich Ddiefe 
Stadt. Hier glaubte ih) meinem Elende ein Ende zu machen 
und alle meine Wünjcdhe zu erreichen, betrog mich aber leider 
jehr. Da wie bekannt in diejer Refidenz{tadt kein Betteljude 
gelitten wird, jo Hat die Hiefige jüdijche Gemeinde zur Ver: 
jorgung ihrer Armen ein Haus am RKofenthaler Thor bauen 
Iafjen, worin die Armen aufgenommen, von den jüdifchen 
Älteften über ihr SGefuch in Berlin befragt und nach Befinden 
entweder, wenn je frank find, oder einen Dienft fuchen, in der 
Stadt aufgenommen oder weiter verjchidt werden. Auch ich 
wurde aljo in diejes Haus gebracht, dazZ theils mit Kranken, 
theil8 aber mit liederlidgem Sefindel angefüllt war. Lange Zeit 
fehe id mic vergeben nach einem MenjdhHen um, mit dem ih 
mic) über meine Angelegenheiten hätte befprechen können. End- 
lid) bemerkte ich einen Menjcdhen, der nach feinem Anzuge zu 
urtheilen ein Rabbiner fein mußte; ih wandte mich aljo an 
diejen, und wie groß war nicht meine Freude, al3 ih von ihm 
erfuhr, daß er wirklich ein Rabbiner und in Berlin ziemlich 
bekannt. jei. Ich unterhielt mich mit ihm über allerhand Gegen: 
ftände der rabbinijchen Gelehrjamfkeit, und da ich fehr offenherzig
	        
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