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Ludwig Tieck und Adam Oehlenschläger

Full text: Aus Berlins Vergangenheit / Fischer, Leopold Hermann (Public Domain)

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gegnet, welcher ihr fhon von weitem entgegengerufen habe: 
„Ach, morgen fteht mir ein faueres Diner bevor! Im Laufe 
bdesjelben Joll ich ein Werk, das ich nicht ganz verftehe, in eine 
Sprache übertragen, die mir nicht geläufig ijt.“ Er jei nämlich 
von Frau von Stael eingeladen worden, um ihr beim Diner 
jo nebenher ein philojophijches Werk Hichtes in franzöfijcher 
Sprache beizubringen. 
Den eigentümlichen Vorgang mit Dehlenfhläger erlebte 
Tied im Jahre 1817, als er auf der Rückreife von England in 
Berlin fich .aufhielt. Die Novelle „Übers ng“ ift zum erften 
Mal in den Gejammelten Novellen (Treslar 1835) veröffentlicht. 
Wann fie entftanden ft, Läßt fich nicht fefiitelen. Vielleicht if{t 
dem Dichter durch eine Begegnung mit Dehlenjdhläger in 
Dresden 1831 jenes Erlebnis wieder frijch ins Gedächtnis ge: 
rüct. Wenn Tiet fagt, er Habe die Ubiicht gehabt, dieje No- 
velle in der neuen Ausgabe ganz umzuarbeiten, fo weifen diefe 
Worte auf die im Jahre 1852 erfchienene „vollitändige aufs 
neue durchgefehene“ Ausgabe der Novellen in 12 Bänden. 
Träume und Yifonen in Zudwig Tiecks Leben 
und Schriften). 
Eine Harafkteriftijche Eigentümlichkeit der romantijchen Dichter: 
jchule ift ihre Vorliebe für das Seheimnisvolle und Wunderbare, 
für die Nachtjeiten der menfhlihen Natur. In hohem Maße 
Quldigt diefer Neigung auch Ludwig Tiec, nicht bloß in jeinen 
dramatifierten Märchen und im Phantafus, fondern auch in den 
‚päteften Werken, in den Novellen. Obgleich e& gerade für eine 
Sigentümlichkeit der Novelle gilt, daß fie Creigniffe, welche ge 
Ichehen find oder hätten geichehen Können, vorzuführen beitrebt 
*) Zuerft gedruct Boffifche Zeitung, 1886, Sonntagsbeilage Nr. 20.
	        
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