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XXIII. In der Dorotheenstraße

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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zuch die deutsche, die lutherische Gemeinde unter ihrem Pastor Martin Schultze zu ihm. Aber nur 
'angsam schreitet das Werk vor. Am 17. Juli 1678 ist die Grundlegung erfolgt; am 31. 
März 1680 läuten die Glocken auf jenem Gerüste zum ersten Mal, sie feiern „die große 
pommerische Victoria“, die Eroberung Stettins; aber erst am 3. Oktober 1687 wird die 
Kanzel unter den Linden abgebrochen und in die Kirche gebracht, und erst am 3. Advent, 
damals dem 11. Dezember 1687, kann die Weihe der Dorotheenstädtischen Kirche in Gegen— 
vart des Kurprinzen Friedrich erfolgen. Pastor Martin Schultze aber ist bereits nach 
Rathenow gegangen, weil er sich geweigert hat, den buntgestickten Chorrock, die Kasel, abzulegen. 
So hält denn Herr Christian Ransleben die Weihepredigt. „Hier,“ ruft er aus, „wo ehemals 
aur ein flaches Feld gelegen, da Würm' und Vögel wohnten, wohnt jetzt Gottes Ehre! Hier, 
vo noch jüngstens Korn und Gras geblüht, da blühet nun des Allerhöchsten Ruhm!“ Der 
Kurprinz Friedrich aber bestimmt, daß auf dem Thurmknaufe künftighin der Kurhut Branden— 
»urgs erglänzen solle; er schenkt im Jahre 1690 der Gemeinde auch die Kanzel aus dem 
Done. deten dalvinistische Schlichtheit seinem das Prächtige liebenden Geschmacke widerstrebt. 
Kränungsmedaille König Friedrichs J. 
Dies ist die Gründungsgeschichte der Kirche. Ihr Baumeister war aller Wahrscheinlichkeit 
aach der berühmte Rutger von Langerveld, der Erbauer des Schlosses Köpenick. Seine 
Bedächtnißtafel ist bei dem letzten Umbau zertrümmert worden; wir vermögen uns des zer— 
zröckelnden roth-weißen Marmors derselben noch wohl zu entsinnen. Dieselbe trug in latei— 
nischen Worten folgende Inschrift: 
„Dem Abgeschiedenen geweiht! 
Hier ruht Rutger von Langerveld, einst Kurfürst Friedrich's III. Baumeister, Mathematiker 
und Maler. Viel hat er auch unter dem hochseligen Kurfürsten Friedrich Wilhelm gebaut; 
emsig und getreu hat er die jungen Prinzen des Herrscherhauses in der Mathematik unter⸗ 
richtet. An Erfahrung im Kriegs- und Civilbauwesen kamen wenige ihm gleich, überragte ihn 
niemand. Zu Nymegen am 15. Februar 1635 geboren, verstarb er zu Berlin am 15. März 
1695, 60 Jahre 1 Monat alt. Dies Denkmal setzte ihm seine trauernde Gattin Maletta 
de Mann.“
	        
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