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XXIII. In der Dorotheenstraße

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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die Devise: Cognata ad sidera tendit!‘ Ein schwülstiges Gedicht von Neukirch mit dem 
iberaus bezeichnenden Anfange: 
„Mars raset immerfort und die entbrannte Gluth 
Dräu't auch von Osten her mit schweren Donnerschlägen“, 
sowie ein Verzeichniß der Mitglieder der Akademie schließen endlich die Festschrift ab. In 
Bezug auf die Akademiker erwähnen wir, daß sie in vier Klassen gesondert waren, nämlich in 
die classis physico-medica, 
die classis mathematica, 
die classis historico-philologica Germanica und 
die classis historico-philologica Ecclesiasstica et Orientalis. 
Aus der Zahl ihrer ersten Mitglieder nennen wir hier 
nur den Hofprediger Achenbach, den Legationsrath Ancillon, 
die Theologen und Historiker J. F. und J. C. Beckmann, 
den Numismatiker Beger, den Danziger Rektor Johann 
Thodowiecki, den Konrektor Johann Leonhard Frisch vom 
Brauen Kloster zu Berlin, den Berliner Astronomen Kirch 
und den Züricher Arzt Johann Jakob Scheuchzer. Die 
zlänzenden Lichter Samuel von Pufendorf und Ezechiel 
oon Spanheim — Letzterer längere Zeit Resident Bran— 
denburgs in den Niederlanden — waren freilich schon er— 
loschen. Am rührigsten erwiesen sich von den Akademikern 
Jablonski und jener „Seidenwürmer-Frisch“, der Rektor 
dom Grauen Kloster; er gründete Maulbeerbaum-Plan— 
tagen in und um Berlin und verdient als deutscher Lexiko— 
zraph auch heut' noch Beachtung. 
Wie segensreich der große Exerziermeister und Staats— 
Okonomus König Friedrich Wilhelm J. auf das preußische 
uind auf das gesammte deutsche Volk eingewirkt hat, ist in 
üngster Zeit oft mit Liebe und mit Sorgfalt geschildert 
vorden. Nie soll es diesem Könige mit dem frischen Antlitze 
und den strahlenden blauen Augen vergessen werden, daß 
grade er mit seinem strengen Pflichtgefühle, mit seiner Wahrheitsliebe, mit der Schlichtheit seiner 
Lebensführung, mit seinem praktischen, die Dinge und die Menschen bis in die Tiefe erfassenden 
und weisheitsvoll verwendenden Blicke dem Staate einen Beamtensiand geschaffen hat, der ohne 
Bleichen dasteht. Erst der sorgsam sich bis in die kleinste Einzelheit vertiefenden Forschung geht die 
ernste und rein sittliche Hoheit dieses „Erziehers seines Volkes“ auf. Das Eintreten dieser Persön— 
lichkeit war nach den fröhlichen Tagen des glänzenden Friedrich J. geradezu eine Nothwendigkeit 
für das Bestehen des preußischen Staatswesens. Es war — auch das muß unbedingt zu— 
gestanden werden — bedenklich viel Eitelkeit und viel Lüge in der Wissenschaft jener Tage; — 
dieselbe mußte gebannt werden; dennoch — wir wissen es bereits von Frankfurt her — kann 
Friedrich Wilhelm J. von dem Vorwurfe nicht losgesprochen werden, daß er die Wissenschaft 
nit Absicht vernachlässigt, ja, daß er sie selbst verhöhnt hat.
	        
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