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XXI. Das Wartenbergische Palais

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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Daß er seinem Herrn und Könige absichtlich schlecht gerathen, — daß er ein System der Aus— 
saugekuust des Volkes in's Land gebracht, — das ist einfach unwahr. Die von ihm einge— 
ührten neuen Steuern, — Abgaben für Karossen, Perrücken und modische Chaussure, — können 
vir bei'm besten Willen nicht anders als durchaus vernünftig finden. So nahe gelegt ein Ver— 
gleich mit Steenie Buckingham auch ist, so wenig paßt er auf die Lebensweise des Grafen 
nach seiner Verheirathung. Wenn man ihn endlich gar als den bösen Dämon und als Ver— 
führer des Königs hingestellt hat, — eine Ansicht, die uns vielfach noch jüngst begegnet ist, 
— so entstammt dieselbe nur der Unkenntniß fürstlicher Neigungen jener Zeit oder dem be— 
iebten Verfahren, die Geschichte durch die Brille des Parteistandpunktes anzuschauen. — 
So glänzende Insassen wie den Grafen und die Gräfin Wartensleben hat der prächtige 
Palast an der Kurfürstenbrücke jedoch nimmer wieder gehabt. In Küster's „Alten und Neuen 
Berlin“ heißt es von demselben also: 
„An der langen Brücke siehet man zur rechten Hand das neue Posthaus, welches auf 
denselben Platz gebauet worden, wo das ehemals Schardius'sche Haus gestanden“. Die Schardius 
waren eine ursprünglich magdeburgische Familie, welche sich nachmals auch im Kommunal- und 
Staatsdienste der Mark auszeichnete; sie waren eine Zeit lang auch zu Tempelhof gesessen. 
„Durch den Hof und die Seitengebäude zur Rechten aber hat der Palast eine Communication 
mit dem älteren Posthause in der Poststraße“; — das älteste befand sich, wie wir wissen, in 
der Brüderstraße. „Der Baumeister des neuen Posthauses war der Ober-Baudirektor Schlüter, 
velcher dieses Haus von drei Etagen mit schönen ionischen Pilastern, einem feinen Eingang 
nach der Wasserseite mit einem Balkon, kostbaren großen Fenstern, mit schöner Verdachung, 
‚wei Famen und einer Attika auf beiden Seiten, mit Bas-reliefs und Historien al fresco ge— 
malt, auszieren lassen. Oben auf der Attika stunden vormals einige, große, verguldete Post— 
yjörner, so aber, als der Graf von Wartenberg in Ungnade fiel, hinweggenommen und an deren 
Platz schöne Statuen gesetzet, die Malerei aber ausgelöschet worden. — Jetzt wohnet Sr. Excellenz, 
der Wirkliche Geheime Etats- und Kriegsrath, Herr Adam Ludwig von Blumenthal, allhier.“ — 
Lange, lange Zeit blieb nun das Wartenbergische Palais die „neue Post“; als aber in 
den Tagen König Friedrich Wilhelms III. 1815 das General-Postamt nach dem Hause König— 
straße 60 verlegt wurde, da wurde sie „die alte“. Jetzt nahm das geschäftliche Leben der 
Stadt Berlin von dem Wartenbergischen Palast Besitz, um ihn für immer festzuhalten. Wunder— 
sam! Auch die nunmehrige „neue Post“ war einst der Sitz eines Staatsmannes gewesen, eines 
Zeitgenossen noch dazu vom Grafen Wartenberg, — jenes Ministers und Marschalls Friedrich 
Wilhelm von Grumbkow, welchem der König Friedrich Wilhelm J. sein volles Vertrauen, ia 
eine Freundschaft schenkte. — 
Die „alte Post“ aber ward nachmals, nach 1815, eine Berühmtheit Berlins. Wie wurde sie 
bon dem Leben der Neuzeit durchwogt! Und dann: Felmy und Siechen! Wurst und Bier, wo 
einst Graf Kolb von Wartenberg so glänzend Hof gehalten! Sic transit gloria mundi! 
Allein das Schlimmste sollte doch noch kommen. In unsern Tagen ward dies Palais von 
edelschönster Form vernichtet. Man sollt' es nicht für möglich halten! Ein Bau Audreas 
Schlüter's in Berlin! Man hatte es vergessen, daß Schlüter diesen Palast ausdrücklich 
als den einzig passenden Hintergrund für die gewaltigste aller Statuen errichtet hatte! 
Nun ist die poesievolle Schönheit völlig dahin. Was an ihrer Stelle entstanden ist, giebt auch 
nicht im Entferntesten Ersatz. Gradezu häßlich aber ist das Dachreiter-Thürmlein, welches
	        
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