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XIX. Poststraße Nr. 5

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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einmal: „Gott segne meinen allergnädigsten Herrn sammt seiner hertzliebsten Gemahlin; ihm 
empfehle ich mein liebstes Weib und einige Tochter!“ — „Welche Worte er dann mit solcher 
Bewegung redete, daß Ihme die Thränen die Augen netzeten und ihme die Seufftzer den Mund 
gleichsam verschlossen.“ — 
Der Kampf war ein harter. Konrad von Burgsdorff gedachte daran, wie übel der „alte 
Bösewicht“, der Teufel, dem „seligen General“ Hans George von Arnim anno 1641 auf seinem 
Todtenbette zugesetzt, und „wie der Herr General sich zu Christo gewendet“. — „Ich will's 
auch thun bis an mein selig Ende!“ rief der Sterbende aus. Crellius ging mit ihm dann 
die „Gewissenstafel“ der Reformierten, — die 10 Fragestücke, — durch, und der Kranke wurde 
ruhiger. Er hatte viel Besuch von Edlen und Unedlen und bewies sich freundlich gegen 
Jedermann. 
So kam der Sonntag, der 1. Februar 1652. In der Frühe gegen 3 Uhr fuhr der 
Sterbende auf: 
„Nach Cleve muß ich, zu meinem gnädigsten Kurfürsten! — Hindert mich nicht an dieser 
Reise!“ Crell betete mit ihm. Der Kranke, dessen starke Stimme man im Dome stets aus 
dem Gesange der Gemeinde heraus hatte erkennen können, sang dann leise vor sich hin, bis 
Crell sich anschickte, das Haus zu verlassen, um seine sonntägliche Pflicht zu erfüllen. 
Um Mittag scheint der Geistliche dann wieder bei den Burgsdorff's eingetroffen zu sein. 
NRachmittags nach 5 Uhr entfiel dem Sterbenden die Sprache, und zwischen 7—58 Uhr Abends 
kam der letzte Kampf. Lautlos schlief Konrad von Burgsdorff ein. Es war am 1. Februar 1652. — 
Das ist die Schilderung, welche Crell uns vom Leben und Sterben des Menschen Burgs— 
dorff hinterlassen hat. Welch' Licht fällt dadurch auf die herkömmlichen Darstellungen seines 
Tharakters? — 
Offenbar können beide nicht neben einander bestehen. 
Gewöhnlich wird Burgsdorff nur als Spieler und Trinker dargestellt; ja, nach König 
giebt er dem Kurfürsten den schmachvollen Rath, „sich nicht allzusehr zu seiner Gattin zu halten, 
damit nicht später zu viele der Prinzlein zu versorgen seien“; — deshalb seine Entfernung 
vom Hofe; — deshalb die dauernde Ungnade des fürstlichen Paares. 
Crell wird gewiß maßvoll gesprochen, er wird manche Härte verschwiegen, manche Schwäche 
bedeckt haben. Konrad von Burgsdorff dagegen wird sicherlich manche Gewohnheit des Feldes 
beibehalten haben; — er mag dem Weine, vielleicht auch den Frauen gehuldigt haben; — 
der Mann so vieler Feldzüge mag sich dabei nicht eben viel Arges gedacht haben. Seine Ehe 
mit Anna Elisabeth von Löben, welche er erst 1636 heimgeführt hatte, aber war eine glück— 
liche. Crell sagt: 
„In ungefälschter Liebe und Treue, in freundlicher Ehe hat er 16 Jahre mit ihr unter 
gutem Lobe gelebet.“ 
Diese offenbaren Lobeserhebungen hätte der Hofprediger des Kurfürsten gewiß nicht aus⸗ 
gesprochen, wenn Konrad von Burgsdorff sie nicht verdient hätte. Die reformierten Geistlichen 
logen nicht von der Kanzel herab; — überdies hätte sich Crell bei Hofe durch eine unwahre 
Predigt über den Verbannten völlig unmöglich gemacht. Der Geistliche war ferner auf's Tiefste 
erschüttert, als der Held Konrad von Burgsdorff heimging. Er schreibt: 
„Da fiel der Diener Gottes dem verblichenen Körper auf den todten Mund und küssete 
ihn mit dem Wunsche, daß seine Seele sterben möchte des Todes dieses Gerechten“; er nennt
	        
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