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XVI. Im Norden und Süden des Schlosses

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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Wir können nur bedauern, daß dem Volke die alte Freiheit des Durchganges durch das 
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gefallen. Dergleichen Unvorsichtigkeiten lassen sich später nicht wieder gut machen, und es ist übel 
gethan, den Bürger von historischen Stätten abzuschließen. Umgehen wir also das Schloß; — 
schreiten wir vorüber an der „Adlersäule“, welche die Stelle des berühmten „Münzthurms“ 
bezeichnet, — vorüber an der Schloßfreiheit mit ihren unschönen Refugies-Bauten und dem 
seltsam geschmacklosen ‚Café“ daran, — vorüber an dem „rothen Schlosse“, dieser verunstalteten, 
grandiosen Jahrmarkts- oder Trödelbude, — hin über die Stätte, auf welcher einst der alte Dom 
mit seinem Friedhofe sich erhob, bis uns, dort drüben an der Ecke der „Breiten Straße“, die 
imposante Flucht des altersgrauen Marstallsgebäudes entgegentritt. 
Ja, eine prächtige Façade, die sowohl gegen die „Breite Straße“ wie die nach dem 
Flusse zu! Wie ernst und wuchtig, mit der Bestimmung des Gebäudes auf's Schönste har— 
monierend, diese schweren Portalbauten an Nr. 37 und 36 der „Breiten Straße“ !Das Haus 
Nr. 35 in seiner heiteren Renaissance-Pracht ist ersichtlich älter; der spätere Architekt hat 
indessen Nr. 37 mit ihm in Übereinstimmung gebracht, so daß sich der ganze Komplex auf's 
Glücklichste darstellt: im Mittelbau ein prachtvolles Portal und daun zwei noch reichere Seiten— 
flügel, durch gleichartige krause Mansarden-Einfassungen auf's Reizvollste charakterisiert, in 
ihren Einzelheiten indessen durchaus von einander abweichend. Die „Wasserfront“ ist selbst⸗ 
verständlich viel schlichter gehalten; aber auch ihrer Schwere fehlt der bewußte, künstlerische 
Rythmus nicht, und gar charakteristisch nehmen sich die Kurhüte, die Königskronen aus, welche 
an eisernen Stangen ihren Dachfirst überragen. 
Es ist auch hier, im Süden des Schlosses, eine reiche Geschichte, der wir zu 'lauschen 
haben. — 
Im Jahre 1451 wurde, wie wir sahen, das „neue Schloß“ zu Kölln bezogen. Der erste 
Marstall befand sich gewiß dicht neben der neuen Burg und war mit ihr zugleich „bezingelt 
und bezugbrückt“. Die „Rosse aus dem Mühlenhofe“ waren den Männern von Berlin und 
Kölln bei'm Aufstande ja eine willkommene Beute gewesen! Erst am Ende des Jahrhunderts, 
als die Zeiten ruhiger geworden waren, hatten die Hohenzollern hier „in der großen Straße“ 
sich einen neuen Marstall errichtet, welcher der Aufsicht ihres Marschalls unterstand. Da 
dieser Bau im Jahre 1593, wie sich denken läßt, bereits „brüchig“ geworden war, schenkte 
ihn Kurfürst Joachim Friedrich dem Oberkämmerer und Geheimen Rathe Hieronymus von Schlick. 
Grafen von Bassano. 
Schlick von Bassano! Die abenteuerliche Geschichte des staatsklugen Kaspar Schlick aus 
dem Egerlande, des Kanzlers der drei deutschen Kaiser Siegmund, Albrecht und Friedrich III, 
— die Liebesklänge des berühmten erotischen Romanes „Euryalus und Lucretia“ umrauschen 
uns, sobald wir diesen Namen hören! Der brandenburgische Oberkämmerer Hieronymus aber 
war ein echter Cavalier wie sein Ahn; — noch jüngst ist ihm von berufener Hand das schöne 
Zeugniß“*) gegeben worden: 
„Kurfürst Joachim Friedrich, der mit seinem Vertrauen sehr kargte, berief ihn an die 
Spitze des neugebildeten Geheimen Rathes. Er muß dieser Stellung in hohem Grade würdig 
gewesen sein. Ein sprechendes Zeugniß für die Lauterkeit seines Charakters gewährt wenigstens 
xyY Isagesohn, Gesch. des preuß. Beamtenthums, II. 30.
	        
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