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XIII. In den Burgleyen der Steinbrecher

Full text: Aus Alt-Berlin / Schwebel, Oskar (Public Domain)

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Einige Berichte bringen die oben erwähnte Äußerung 
oom „Flügelmann von Glasenapp“ erst jetzt bei dieser 
so traurigen Veranlassung. Wunderbar gerettet wurde 
hei dieser Katastrophe der bekannte Obrist-Lieutenant 
Graf Truchseß von Waldburg: am dritten Tage wurde 
er noch lebend unter dem Schutte hervorgezogen. 
„Gedachte man später in seiner Gegenwart des Un— 
glücks, so befiel ihn ein Zittern und eine Angst, welche 
er nicht zu besiegen vermochte.“ 
Die Sühne traf diesmal leider einen Unschuldigen: 
Brael wurde verhaftet und des Landes verwiesen. Von 
einem Neubau des Thurmes war zwar oftmals die Rede; 
Friedrich Wilhelm wies auch 40000 Thaler zu dem— 
elben an und verlangte von der Landschaft überdem 
noch 50000 Thaler. Allein des Königs Tod und die 
demselben folgenden kriegerischen Ereignisse wendeten die 
öffentliche Aufmerksamkeit von diesem an Verhängnissen 
'o reichen Thurmbaue völlig ab. Nothdürftig wieder— 
hergestellt, verblieb die Kirche lange Zeit ein Torso, ein 
großartiger freilich und prächtiger. Unsere Illustration, 
welche den südlichen Theil der Brüderstraße in jener 
Beschaffenheit darstellt, die er um's Jahr 1780 besaß, 
läßt deutlich die Gestalt des Bauwerks erkennen: die 
Kirche bildete ein Oblongum in verschnörkeltem und 
verkröpftem Zopfstysl. Im Norden und im Süden 
chlossen sich kapellenartige Vorbauten mit hohen Por— 
galen an sie an. Üüber dem nördlichen, nach dem 
Schlosse hinabblickenden Ausbaue sollte dereinst der 
Thurm sich erheben; — hier war der Bau nach oben 
zu nur nothdürftig und ärmlich abgeschlossen. In der 
Mitte des gesammten Bauwerks aber prangte eine zier— 
liche Laterne. Unser Bild, — es ist von Rosenberg wohl 
an einem Tage des Wochengottesdienstes, an einem Mitt— 
voche, aufgenommen, — bezeugt es, wie reich belebt die 
„Brüderstraße“, — wie fleißig besucht dieser Wochen— 
Jottesdienst von St. Petri damals war. 
Dem zopfigen Äußern entsprach das Innere. Von 
Werken alter Kunst war, wie erwähnt, nur der Taufstein 
erhalten. Allmählig aber bedeckten sich die Wände wie— 
derum mit den Bildnissen verdienter Pröpste und Pa— 
storen. Der unermüdlich thätige Maler Bernhard Rode, 
ein künstlerischer Freund, wie ihn die Kirchen von 
Berlin nie wieder gefunden haben, schenkte seinen 
* 
Entwurf zum St. Petri-Thurm. 
HNon Grael. 1730.
	        
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